Calogero Longo
19-Jähriger Auszubildender und Teilnehmer am Projekt "Futuro" des CGIL-Bildungswerks e. V. in Offenbach
Offenbach (Main), 17.10.2008
Nach dem Hauptschulabschluss habe ich mir viele Gedanken gemacht, was denn nun kommen soll: Welche Berufe gibt es? Welcher passt zu mir? Was sind die Bedingungen? Wo kann ich mich bewerben?
Eine Antwort habe ich nicht gefunden und eigentlich nur beobachtet, wie die Zeit vergeht.
Da ich nicht wusste, wo ich Hilfe bekommen sollte, traf ich mich mit Freunden, machte viel Sport und spielte zu Hause Strategiespiele am Computer. Das habe ich so lange gemacht, bis ich irgendwann ein Brief von der "MainArbeit" erhielt - sie luden mich zu einem persönlichen Gespräch ein. Nach diesem Termin hat sich aber nicht viel geändert: alles ging weiter wie bisher.
Von einem türkischen Freund habe ich erfahren, dass er sich beim Kurs "Futuro" des CGIL-Bildungswerks e. V. angemeldet hatte. Er sagte, dass sie ihm helfen würden, eine Ausbildungsstelle zu finden. Das hat mich interessiert, deshalb bin ich auch mal dahin gegangen und habe mich informiert. Dort sagte man mir, dass ich nach einer viermonatigen schulischen Zeit ein achtmonatiges Praktikum machen würde. Später sollte ich dann eine Ausbildung aufnehmen. Es gab auch die Möglichkeit, vier Monate im Ausland zu verbringen, aber das hat mich gar nicht interessiert.
Bei CGIL-Bildungswerk e. V. habe ich mich über verschiedene Berufe informiert und wir sind zu vielen Betrieben gefahren. Aber ich konnte nicht heraus finden, was zu mir passt. Herr Cakmak vom CGIL-Bildungswerk e. V. wollte mich dann mit in die Türkei nehmen. Denn mein Problem sei, dass ich noch zu unerfahren wäre und nicht entscheidungsfreudig und sicher genug. Ich habe sofort abgelehnt. Aber mit der Zeit hat er es geschafft, mich zu überreden. Auch meine Mutter hat hier eine große Rolle gespielt.
In der Türkei habe ich dann vor allem als Bellboy in einem 5-Sterne Hotel gearbeitet. Manchmal war ich auch im Restaurant tätig. Die Arbeit war sehr interessant, aber auch ungewohnt. Ich hatte am Anfang viele Verständigungsprobleme mit den Gästen - ich konnte sie nicht verstehen und sie mich auch nicht. Geholfen haben mir meine Kollegen und natürlich meine Kameraden aus Deutschland, die auch das Praktikum gemacht haben.
Die Türkei war dabei auch anders, als ich sie mir vorgestellt hatte. Ich habe zwar viele türkische Freunde in Deutschland, aber in der Türkei zu sein war eine vollkommen neue Erfahrung. Nach kurzer Zeit aber habe ich mich daran gewöhnt, sehr viel Türkisch gelernt und auch ein bisschen Russisch. Vor allem aber konnte ich mein Englisch verbessern. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, aber es war auch hart. Ich bin in dieser Zeit sehr selbstständig geworden, denn wir mussten alles alleine machen, haben selbst eingekauft, gewaschen, und aufgeräumt.
In Deutschland habe ich danach dann viele Praktika in den verschiedensten Bereichen gemacht. Am meisten gefällt mir der Umgang mit Kunden - das hat mir in der Türkei sehr viel Spaß gemacht. Also begann ich mit der Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann.
In die Türkei möchte ich gerne wieder fahren, um meine neuen Freunde zu sehen und, um mich an die schöne Zeit zu erinnern.
Das Buch unterwegs: Hier finden Sie interessante Informationen zur Buchtour quer durch Deutschland.