Dr. Rolf Griebel
Generaldirektor der Bayerischen Staatsbibliothek
München, 24.10.2008
Aus einem musischen bildungsbürgerlichen Elternhaus stammend, freute ich mich - wiss- und lernbegierig - auf den Schuleintritt. Doch die Begegnung mit der "Volksschule" der 1950er Jahre, meine erste Begegnung mit dem Bildungssystem, war überaus ernüchternd. Überstrenge Lehrerinnen und Lehrer bedienten sich bei Klassenstärken von über 40 Schülern, exakt nach Geschlecht und Konfession sortiert, rigider Methoden der Disziplinierung: der ausgefranste Rohrstock beherrschte den Schulalltag. Das Klima der Angst erstickte die Lust am Lernen. Dennoch: die Kulturtechnik "Lesen" wurde vermittelt, was mich in die Lage versetzte, leidenschaftlich Bücher zu verschlingen.
Auf dem Gymnasium waren bessere Voraussetzungen gegeben. Die Gymnasialzeit machte überwiegend Spaß, wenngleich wir uns an den autoritären Strukturen, die auch die Gymnasien der 1960er Jahre prägten, heftig rieben.
Durch die Mitarbeit in der Schülermitverwaltung, in der wir uns Stück für Stück "Freiheit" und Freiräume erkämpften (so bescheiden sie aus heutiger Sicht auch sein mögen), wurde das Gymnasium in gewisser Weise zur Schule der Demokratie. Ein unvergessliches Erlebnis aus meiner Zeit als Redakteur unserer Schülerzeitung war die zeitweise Teilnahme an der letzten legendären Tagung der "Gruppe 47" in der Pulvermühle in der Fränkischen Schweiz.
Meinen besonderen Interessen und Neigungen folgend nahm ich 1968 (!) das Studium in Geschichte, Germanistik und Soziologie auf. Wie auf viele meiner Generation übte die Frankfurter Schule eine ganz besondere Anziehungskraft auf mich aus. Wesentliche Anregungen und Impulse erfuhr ich während meines Studiums insbesondere durch die Studienstiftung des Deutschen Volkes.
Nach Staatsexamen und Promotion trat ich in den wissenschaftlichen Bibliotheksdienst, der mir bereits zu Beginn meines Studiums als Berufsziel vorgeschwebt hatte. Heute leite ich als Generaldirektor die Bayerische Staatsbibliothek - eine der bedeutendsten Forschungsbibliotheken weltweit und eine der führenden Gedächtnisinstitutionen im deutschen Sprachbereich. Als multimedialer Informationsdienstleister, als Innovationszentrum für digitale Technologie und als Schatzhaus des kulturellen Erbes leistet sie auf lokaler, Landes-, nationaler und internationaler Ebene einen gewichtigen Beitrag für Forschung und Wissenschaft, Studium und Bildung.
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