Martin Bockisch und Jens Bemme
Mitglieder im ehrenamtlichen Stiftungsrat der StudentenStiftung Dresden
Dresden, 21.10.2008
Wenige kennen Universitäten besser als ihre Studenten und Absolventen. Potential für Verbesserungen gibt es überall - manchmal offenkundig, manchmal im Hintergrund. Dafür werden in Dresden Studentenstifter gesucht. Unsere Studenteninitiative entstand im Sommer 2002 unter dem Namen "unternehmen selbst!beteiligen" und mit dem Ziel, die Öffnungszeit der Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) - auf Sonntage und Nachtstunden zu verlängern.
Mit Erfolg: Seitdem öffnet die Bibliothek auch sonntags zur Prüfungsvorbereitung und tausend Studenten besuchen an solchen Tagen regelmäßig die "heiligen Hallen". Das Ungewöhnliche daran: Die Kosten für Personal, Wachschutz und Reinigung werden mit privaten Spenden finanziert. Die Studierenden sammeln und spenden selbst. Unternehmen haben sich angeschlossen und unterstützen das Engagement.
Mit unserem Engagement haben sich auch unterschiedliche Lerneffekte eingestellt: Wir haben gelernt, selbstbewusst Spenden zu sammeln und unsere Sache zu vertreten. Die "Sonntagsleser" lernten, freiwillig und regelmäßig Kleingeld, ein paar Münzen, zu spenden.
2004 wurde für uns Gründer vom "unternehmen selbst!beteiligen" die Frage wichtig, wie es mit der SLUB am Sonntag weitergeht, wenn wir eines Tages nicht mehr an der TU Dresden studieren. Spätestens, wenn Nachfolger keine Nachfolger mehr finden, schlafen Initiativen immer wieder ein. Wir entschieden uns daher für eine simple Idee: Es wäre toll, genug Geld zu besitzen, dass unsere Projekte aus Zinsen bezahlt werden können!
Die Adresse www.studentenstiftung.de war damals noch frei. Der Reiz, etwas ganz Neues zu erfinden, motivierte uns dann zusätzlich. So gründeten wir in Dresden die erste deutsche Studentenstiftung. Das Startkapital brachten Studenten der TU Dresden, Absolventen und der Förderverein der SLUB Dresden sowie Unternehmen 2005 zusammen. Seitdem wächst die Stiftung und wirkt.
Studentenstifter haben mittlerweile weitere Projekte angeschoben: das Forum www.Studium-mit-Kind.de, den ersten Wickeltisch für ein Gebäude der TU Dresden, Extra-Tutorien am Kompetenzzentrum Technisches Design der TU Dresden oder eine Videodokumentation des Engagement des "Bauball 2007-Teams" - 50 Studenten des sechsten Semesters Bauingenieurwesen entwarfen, bauten und finanzierten 2007 ehrenamtlich einen Spielplatz in der Dresdner Neustadt. Der Film dazu steht nun im Internet.
Im Sommer 2008 ermöglichten wir gemeinsam mit Kooperationspartnern 16 Geschichtsstudenten der TU Dresden ein Seminar, in dem sie lernten, einen großen Kongress medial zu begleiten. Beim 47. Deutschen Historikertag konnten sie direkt ihr Handwerkszeug in der Praxis erproben.
Manchmal heißt es, stiften sei ein Thema für die zweite Lebenshälfte - wenn nach einem erfolgreichen Arbeitsleben die Sinnsuche beginnt. Wir haben gelernt: Man sollte damit nicht so lange warten. Es bleibt dann deutlich mehr Zeit, die Wirkung zu beobachten und erneut daraus zu lernen.
"Stiften lernen" bringt auf den Punkt, welche Bedeutungen Bildung für uns heute hat. In diesem Sinne meinen wir: Vor allem muss die Bildungsrepublik von Anfang an als lernende Republik gedacht werden - sonst stolpert sie auf halbem Weg.
Das Buch unterwegs: Hier finden Sie interessante Informationen zur Buchtour quer durch Deutschland.