"TATFUNK"

Bettina Schröer

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für die Eberhard von Kuenheim Stiftung (BMW AG)

München, 28.10.2008

Foto: Bettina SchröerEin Oberstufenkurs als Radioredaktion, Redaktionskonfe-renzen statt Frontalunterricht, Sendungen statt Klausuren, Fragen stellen statt abfragen lassen. "Tatfunk" heißt das Projekt der Eberhard von Kuenheim Stiftung, bei dem Oberstufenschüler den Auftrag erhalten, im Verlauf eines Schuljahres eine eigene Radiosendung zu produzieren. Neben den Grundlagen des Radiojournalismus erlernen die Schüler mit "Tatfunk" ein Projekt von Beginn an selbst zu planen, ihre Ideen umzusetzen und die Ergebnisse der Öffentlichkeit zu präsentieren. Dabei trainieren sie Schlüsselqualifikationen wie Teamfähigkeit, Einsatzbereitschaft, Kommunikationsfähigkeit und Verantwortungsbereitschaft.

Anders als im normalen Unterricht planen die Schüler für Tatfunk ihr Schuljahr selbst, organisieren die Teamarbeit und arbeiten als Projektteam zusammen. Egal welches Ziel sich die Schüler gemeinsam setzen, ob Reportage, Feature oder Magazinsendung, sie müssen mit einem Projektantrag eine Fachjury überzeugen. Sind Thema, Zeitplan und Finanzkalkulation realistisch, bekommt jede Schülergruppe ein kleines Budget überwiesen, mit dem sie ihr Radioprojekt verwirklichen kann. Beim Radiomachen lernen die Schüler so Grundkompetenzen unternehmerischen Denkens und Handelns und werden damit ein Stück weit auf das Leben nach der Schule vorbereitet.

Im Verlauf des Schuljahres werden die Schüler von einem außerschulischen Experten, dem sogenannten Mediencoach, unterstützt. Er bringt ihnen das "1x1" des Radiojournalismus bei: Wie funktioniert digitale Schnitttechnik? Wie führt man ein gutes Interview? Welche Themen sind für den Hörer interessant? Bei all dem ist Tatfunk aber auch Unterricht: Ein Lehrer übernimmt die schulische Verantwortung für den Kurs, er benotet auch die Leistung der Schüler. Je nach Schulsystem können die Schüler ihre Note ins Abitur einbringen. Tatfunk schafft auf diese Weise einen Freiraum - nicht abseits des Schulsystems, sondern innerhalb der bestehenden Strukturen.

Das Konzept für Tatfunk wurde gemeinsam mit dem Bayerischen Rundfunk entwickelt und erstmals im Jahr 2002 an einem Münchner Gymnasium erprobt. Mittlerweile ist Tatfunk längst über die Grenzen Bayerns hinausgewachsen - in einigen Bundesländern hat die Stiftung die Organisation des Projekts an Kooperationspartner gegeben, die nun vor Ort eine nachhaltige Implementierung von Tatfunk anstreben.

Die Eberhard von Kuenheim Stiftung hat es sich zur Aufgabe gemacht, in reformbedürftigen Bereichen - wie Bildung oder Arbeitsmarkt - für nachhaltige Bewegung zu sorgen. Unter dem Motto "Freude am neu:wagen" entwickelt und erprobt sie gemeinsam mit Partnern Pilotprojekte, die nach Abschluss in die Selbständigkeit übergeben werden und im Alltagseinsatz Wirkung zeigen können. Insofern versteht die Stiftung ihre Arbeit als gesellschaftliche Entwicklungsdienstleistung.

Das Buch unterwegs: Hier finden Sie interessante Informationen zur Buchtour quer durch Deutschland.