Dr. Francine Lammar
Diplom-Pädagogin, Veddel aktiv e. V., Hamburg
Hamburg, 02.12.2008
Seit etwa zehn Jahren arbeite ich auf der Veddel, einem der ärmsten und kinderreichsten Stadtteile Hamburgs, in dem sehr viele Menschen mit Migrationshintergrund leben. Es sind Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Prägungen, unterschiedlichen Sprachen und Erfahrungen, aber fast alle haben eines gemeinsam: Sie wünschen sich für ihre Kinder einen möglichst guten Bildungsabschluss und eine gesicherte berufliche Zukunft.
Veddel aktiv e.V. leistet mit mehreren Projekten einen Beitrag zur Verbesserung der Bildungssituation von Migrantenkindern. Mein persönliches Herzblut fließt in die Sicherung und Weiterentwicklung unserer kleinen Stadtteilbücherei. In Luxemburg und der Schweiz aufgewachsen, bin ich selber zweisprachig erzogen worden und habe mich von klein auf selbstverständlich in unterschiedlichen kulturellen Kontexten bewegt. Ich spreche viele Sprachen, reise und lese viel und gern. Das Miteinander vieler Kulturen habe ich privat und beruflich immer als Bereicherung erlebt.
In der Stadtteilbücherei Veddel aktiv e.V. arbeiten wir gezielt mit Kindergärten und Schulen, bieten aber auch eine bunte Palette an Freizeitaktivitäten für Kinder (und Eltern) rund um das Buch an. Mit Vorlesegruppen, Lesenächten, Autorenlesungen und anderen literarischen Events versuchen wir vor allem Familien mit Migrationshintergrund möglichst früh und nachhaltig für das Lesen zu begeistern. Dafür sind wir 2007 mit dem IBA-Innovationspreis Bildung ausgezeichnet worden. Das Erfolgsrezept liegt, glaube ich, in der gelebten Multikulturalität. Nicht nur stehen bei uns viele muttersprachliche oder zweisprachige Bilderbücher, sondern wir alle im Team können auf eigene Migrationserfahrungen zurückgreifen und uns bei Bedarf in einer der vielen Sprachen des Quartiers mit unseren Kunden verständigen. Kein Wunder, dass wir zum beliebten Kinder- und Elterntreffpunkt geworden sind!
Wir waren von Anfang an mit unserer eigenen "Gedichte-für-Wichte"-Gruppe bei "Buchstart Hamburg" dabei. Seit zwei Jahren treffen sich jeden Dienstagmorgen um elf Uhr bis zu zehn junge Mütter mit ihren Kindern unter drei Jahren, um eine Stunde lang mit viel Spaß zusammen zu singen, zu reimen und Bücher zu erkunden. Überwiegend passiert dies auf Deutsch, aber gelegentlich mischen sich auch türkische, albanische oder afrikanische Klänge darunter. Und dass die "Gedichte-für-Wichte"-Eltern mit ihren Kindern sehr schnell Stammkunden bei uns in der Bücherei werden, versteht sich eigentlich von selbst.
Das Buch unterwegs: Hier finden Sie interessante Informationen zur Buchtour quer durch Deutschland.