Einige Hürden habe ich schon genommen, viele liegen noch vor mir

Claudia Drawz

Teilnehmerin einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme der Jugendberufsförderung ERFURT gGmbH

Erfurt, 11.12.2008

Foto: Claudia DrawzAls ich eingeschult wurde, war ich voller Freude und Neugier. Das betraf nicht nur meine Zuckertüte, nein, vor allem waren es die neuen Kinder, auf die war ich besonders gespannt.
Ich hatte Freunde und Freundinnen gefunden, aber einige andere Kinder mochten mich nicht. Das ließen sie mich täglich spüren, und so hatte ich nicht mehr die rechte Lust und Freude an der Schule. In meinem Elternhaus war ich behütet, das tat mir gut. Schule ist wichtig, sagte man mir zu Hause, so dass ich trotz Unlust weiter zur Schule ging. Ich hatte Tagträume, wie schön es wäre, wenn sich alle gut verstehen, wenn ich richtig lesen, schreiben und rechnen könnte. Leider blieben die großen Erfolge aus, so dass ich in eine Förderschule umgeschult wurde. Dort merkte ich, dass es vielen so ging wie mir. Wir saßen alle in einem Boot, und jeder wusste von Jahr zu Jahr besser, in welche Richtung er rudern wollte.
Irgendwann stellte sich auch mir die Frage, was ich später einmal werden möchte. Andere Fragen waren: Bin ich gebildet genug? Bekomme ich einen Ausbildungsplatz, wenn ich nur den Abschluss einer Förderschule habe? Schaffe ich überhaupt einen Abschluss? Denn, so viel stand fest: Ich hatte große Probleme in Rechtschreibung und Mathematik - trotz Ehrgeiz, häuslicher Ruhe und Unterstützung. Ich war unzufrieden.
Dann kam die Zeit der Ausbildungsplatzsuche. Ich wollte Verkäuferin oder Köchin werden. Es kam, wie ich es geahnt hatte. Niemand nahm mich. Durch die Agentur für Arbeit erfuhr ich von einer Einrichtung, die sich auf Jugendliche mit Lernbeeinträchtigungen und Lernbehinderungen spezialisiert hat. Ich informierte mich vor Ort und fand das richtig gut, was die Jugendberufsförderung ERFURT gGmbH so alles macht. Ich entschied mich, im Fachbereich Gastgewerbe Köchin zu werden. Leider ließen dies meine Zensuren nicht zu, so dass ich eine Ausbildung zur Beiköchin begann. Mit viel Fleiß und Willen schaffte ich die erste Abschlussprüfung zur Teilköchin. Ich war richtig stolz. Nun galt es, weiter ranzuklotzen, denn mit guten Leistungen könnte ich nach meiner Beikochausbildung noch zwei Jahre Kochausbildung anhängen. Viele Praktika beflügelten mich. Ich fand Schule gar nicht mehr so öde. Ich wusste, nur wer sich bildet, kommt seinen Zielen näher. Jede Chance nutzte ich, um mich zu beweisen.
So nahm ich mit einer Kollegin am Leistungsvergleich der wohnortnahen beruflichen Rehabilitationseinrichtungen teil. Dort galt es, theoretische Fragen zu meistern und ein Drei-Gänge-Menü herzustellen. Von acht teilnehmenden Einrichtungen belegten wir den ersten Platz. Das war der Hammer. So einen Erfolg hatte ich noch nie gehabt. Jetzt war auch noch die Wettkampflust in mir geweckt. Durch die Jugendberufsförderung ERFURT gGmbH bekam ich eine weitere Möglichkeit, mich zu beweisen. Ein Kollege und ich nahmen an der Goldenen Kartoffelgabel, einem Thüringer Regionalausscheid der Kochlehrlinge, teil, bei dem über dreißig Anmeldungen vorlagen. Nur die zehn Besten kamen weiter und wir waren dabei. Am Ende belegten wir den vierten Platz.
Ich merkte, dass ich mit noch mehr Übung immer besser wurde. Meine Bemühungen und meine Leistungen wurden in meinem Ausbildungsbetrieb sehr gewürdigt. So wurde ich mit einer Fahrt ins Europaparlament nach Straßburg als bester Azubi meines Ausbildungsjahres ausgezeichnet.
Auch in meinen Praktikumseinsätzen wurde ich immer besser und sicherer. Schließlich nahm ich die größte Hürde in meiner Ausbildung, meine Abschlussprüfung zur Beiköchin. Diese bestand ich mit gutem Ergebnis. Dieses Ergebnis führte dazu, dass mein Ausbildungsbetrieb mich unterstützte, eine betriebliche Kochausbildung in einem Praktikumsbetrieb zu beginnen. Immer noch bekomme ich Unterstützung durch meinen Ausbildungsbetrieb und ich weiß genau, irgendwann bin ich Köchin.

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Aus dem Buch der Bildungsrepublik