Bettina Rosenbusch
Netzwerk-Koordinatorin des Billenetzes in Hamburg
Hamburg, 18.12.2008
Ich bin Bettina Rosenbusch und arbeite inzwischen seit sieben Jahren als Netzwerk-Koordinatorin im Billenetz, dem Bildungsnetzwerk im Hamburger Osten. Wir haben uns diese Stadtteile, in denen etwa 140.000 EinwohnerInnen leben, als "Lernende Region" ausgesucht, weil wir hier einen hohen Anteil von BewohnerInnen haben, für die Lernen und Bildung eher mit Ängsten und negativen Erfahrungen verbunden sind. Viele BewohnerInnen haben einen Migrationshintergrund und der Anteil der Arbeitslosen ist in unserer Region deutlich höher als im Hamburger Durchschnitt. Aber es bewegt sich auch viel im Hamburger Osten, denn wir sind ein Gebiet mit umfangreichen Stadtenwicklungsmaßnahmen, bei denen es nicht nur um die Umgestaltung von öffentlichem Raum und Wohnraum geht, sondern gerade auch das Thema Bildung einen hohen Stellenwert einnimmt. Dass das so ist, ist auch auf unsere Aktivitäten in den letzten Jahren zurückzuführen.
An unserem Bildungsnetzwerk beteiligen sich etwa sechzig Partner aus Schulen, Kinder- und Jugendeinrichtungen, Betrieben, Weiterbildungs- und Beschäftigungsträgern sowie Stadtteilkulturzentren, Vereinen und Bewohnerinitiativen. Unser gemeinsames Ziel ist, neue Zugänge zu Bildungsangeboten zu entwickeln, so dass die BewohnerInnen diese für sich in Anspruch nehmen. Und natürlich spielt die Vernetzung, der Erfahrungsaustausch zwischen den Partnern eine große Rolle. So hat es sich ergeben, dass einer unserer Schwerpunkte die Verbesserung des Übergangs zwischen Schule und Beruf ist, denn hier gibt es viel zu tun im Hamburger Osten. Eine unserer erfolgreichsten Aktivitäten ist der Lehrstellenatlas Hamburger Osten, den wir seit sechs Jahren herausgeben. Das ist eine Broschüre mit ca. 1.000 Ausbildungsplätzen, Adressen und Ansprechpartnern von regionalen Ausbildungsbetrieben sowie mit vielen Interviews und Tipps für SchulabgängerInnen, Eltern und LehrerInnen. Ein anderes großes Thema ist die Gesundheit, denn häufig geht die schwierige finanzielle und soziale Lage der Familien einher mit schlechter Ernährung und zu wenig Bewegung. Bei allen Themen arbeiten wir sehr eng mit den Hamburger Behörden und dem Sozialraummanagement im Bezirksamt zusammen.
Meine Tätigkeit als Netzwerk-Koordinatorin ist also sehr vielfältig, denn ich habe es mit ganz unterschiedlichen Personengruppen zu tun: LehrerInnen und ErzieherInnen, MitarbeiterInnen von Jugendeinrichtungen, AusbilderInnen und InhaberInnen von Betrieben, Mitarbeiterinnen in Ämtern und Behörden, PressevertreterInnen, engagierten Ehrenamtlichen und natürlich BewohnerInnen unserer Region, die sich über Bildungsmöglichkeiten und -angebote informieren.
Bei allen unseren Aktivitäten ist mir wichtig, dass zwei Aspekte immer im Mittelpunkt stehen: Neue Zugangswege zur Bildung für diejenigen BewohnerInnen zu entwickeln, die in ihrem bisherigen Leben keine Möglichkeit zur Bildung hatten oder die bisher nur negative Erfahrungen damit verbinden; Bildungsangebote methodisch so zu gestalten, dass die TeilnehmerInnen Spaß am Lernen bekommen und dass sie Methoden kennen lernen, wie man sich neue Fähigkeiten und neues Wissen aneignet.
Diese Aspekte sind mir auch deshalb wichtig, weil ich selber in der Schule niemals Spaß am Lernen hatte. Alles war nur Pflicht, man hat für die Prüfungen und für die Noten gelernt, aber es hat mir nie Spaß gemacht. Und auch das "Lernen" lernen hat bei uns nie eine Rolle gespielt. Zum Glück bin ich trotzdem durch Schule und Studium gut durchgekommen, aber das gilt ja nicht für alle Menschen, wie ich in meiner jetzigen Arbeit - und auch in meiner früheren Tätigkeit als Arbeitsvermittlerin in einer Beschäftigungsgesellschaft - häufig erlebe. Von daher sind meine eigenen, eher nicht so positiven Erfahrungen mit der Bildung für mich eine wichtige Motivation, hier etwas zu verändern. Und mit dem Billenetz und unseren Arbeitsschwerpunkten sind wir dabei schon auf einem guten Weg.
Das Buch unterwegs: Hier finden Sie interessante Informationen zur Buchtour quer durch Deutschland.