Der Glanz in den Augen der Absolventen

Dr. Marc Förster

Geschäftsleiter der Fachhochschule für Oekonomie und Management in Bremen

Bremen, 08.12.2008

Ja, zur Schule bin ich wohl auch gegangen, aber Spaß hat es eigentlich nie wirklich gemacht. Im Vordergrund standen Unsicherheit, Orientierungslosigkeit und das in Frage stellen - eben die 1980er Jahre. Dennoch: Grundschule, Orientierungsstufe, gymnasiale Oberstufe und schließlich Abitur. Und immer noch Ratlosigkeit. Was sollte folgen? Entscheidung vertagt, erst einmal kam der Ersatzdienst, damals 20 Monate als Rettungshelfer. Und damit fast zwei Jahre Bedenkzeit. Die Entscheidung Ausbildung oder Studium war nie ein Thema. Das Studium war gesetzt. Aus heutiger Sicht ein erster Fehler. Eine Entscheidung zur Studienwahl musste allerdings her. Die war nicht eben Foto: Marc Förstereinfach, war der Vater doch Ingenieur, das Herz schlug aber eher in andere Richtungen. Entscheidung wieder vertagt, die Ferne rief und damit ging es nach London zum Jobben. Wo war die ganze Zeit nur der kompetente Berufscoach, der Fähigkeiten und Interessen antizipiert und den Weg vorzeichnet?

Sind die meisten Rettungshelfer nach dem Ersatzdienst an Universitäten mit medizinischer Fakultät gelandet, so wagte ich mich an ein Ingenieurstudium. Das Hauptmotiv war die Nachfrage nach Ingenieuren zum Studienstart. Aus heutiger Sicht ein zweiter Fehler - vom Grundsatz her. Denn die Entscheidung sollte stets interessen- und nicht nachfragegeleitet sein. Für mich allerdings war das Studium dann doch in Ordnung. Es hat mich zumindest Disziplin, Leidensfähigkeit und selbständiges Arbeiten gelehrt, allerdings einem konkreten Berufswunsch nie wirklich nähergebracht. Nach Studienende gab es ein Überangebot an Ingenieuren - bundesweit. Da war guter Rat wieder einmal teuer. Wie so häufig folgt der Not der Erfindergeist und los ging es als freier Berater für Industrieunternehmen in Sachen Managementsysteme. Das Studium konnte ich dafür nicht gebrauchen, vielleicht war es gerade deswegen eine Herausforderung.

Die Einführung von Umweltmanagementsystemen war en vogue und jedes Industrieunternehmen, das etwas auf sich hielt, richtete meist sehr mühsam Managementstrukturen ein, um die Umweltbelastung perspektivisch zu reduzieren. Ein spannendes Feld, so dachte ich, und begab mich gleich zurück an die Universität, um dieses Thema nochmals akademisch zu durchleuchten. Damit war ich dann plötzlich Teil einer mir fremden Welt, nämlich der betriebswirtschaftlichen. Also fing ich mal wieder bei Null an. Lesen und Schreiben hatte ich glücklicherweise noch in der Schule gelernt. Das war es nun, worauf ich mich stützte. Nach arbeitsreichen Jahren an der Universität beschäftigte mich jenseits der Promotion zufallsbedingt das Thema Wissenstransfer. Aus dem Transfer- und Kommunikationsgeschäft wurde dann außerhalb der Universität schnell die Trias Berater, PR-Mann und Dozent. Daraus resultierte der Einstieg in die Weiterbildungsbranche - ein Glücksgriff. Aber auch hier liegen Qualifikation und Jobanforderungen zunächst einmal nicht direkt nebeneinander, jedoch profitiere ich zweifelsohne von Erfahrungen und Kontakten der bisherigen Stationen.

Mit gesundem Menschenverstand und Spaß am Menschen lässt sich hier viel bewirken. Punktuell kann ich nun das wiedergutmachen, was mir persönlich vorenthalten worden ist - Orientierung und Lenkung in Beruf und Leben. Und nichts ist erfrischender als der Glanz in den Augen der Absolventen, die die harte Nuss des berufsbegleitenden Studiums geknackt haben und ihre Zeugnisse in den Händen halten.

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Aus dem Buch der Bildungsrepublik