Europäische Bildungsbrücken bauen

Gunnar Meissner

Hotelbetriebswirt und Geschäftsführer der Kaiserhof Hotelmanagement GmbH in Eberswalde

Eberswalde, 18.12.2008

Foto: Gunnar MeissnerIch habe nach dem Schulabschluss 1974 meinen Traumberuf Koch erlernt, später die Qualifikation zum Küchenmeister absolviert und mit dem 1986 nachgeholten Abi ein Fernstudium zum Hotelbetriebswirt an der Fachschule des Hotel- und Gaststättenwesens in Leipzig begonnen und dieses 1990 erfolgreich beendet.
Mit diesem Abschluss stand ich in den Wendetagen vor neuen Herausforderungen. Die Gastronomie sollte jedoch auch weiterhin mein Lebensinhalt sein. Gastlichkeit und Gastfreundschaft liegen mir am Herzen und das wollte ich auch immer jungen interessierten Menschen vermitteln. Deshalb war während meiner gesamten beruflichen Entwicklung nicht nur meine eigene Bildung und Weiterbildung, sondern auch die Ausbildung von jungen Köchen, Hotel- und Restaurantfachleuten wichtig für mich. Im Laufe der Zeit haben viele Auszubildende, Schüler und Praktikanten ihren Beruf in den Unternehmen, in denen ich tätig war, erfolgreich erlernt.
Seit nunmehr fast fünf Jahren beteiligen wir uns mit unserem Hotelbetrieb an dem deutsch-polnischen Ausbildungsprojekt des BBV (Berufsbildungsverein) Eberswalde e. V. - gemeinsam mit der Ausbildungsgemeinschaft Frankfurt (Oder).
Ich finde die Idee für dieses Projekt, gerade in der Region nahe der polnischen Grenze, hervorragend und geradezu zukunftsweisend. Denn hier wird jungen Menschen eine Brücke - eine Bildungsbrücke - gebaut zu unseren Nachbarn: den Deutschen nach Polen und den Polen nach Deutschland. Die Ausbildung dauert vier Jahre und bringt, über das Erlernen der anderen Sprache und gemeinsamer Bildungsziele, Jugendliche über die Grenzen hinweg zusammen.
Mit den Berufsabschlüssen als Hotelfachmann/-frau in Deutschland und Hotelkaufmann/-frau in Polen stehen den erfolgreichen Absolventen Arbeitsmöglichkeiten im neuen Europa offen. Denn hier ist Mitteleuropa, hier verwirklichen sich die europäischen Ideen und hier werden die Völker immer mehr zusammenwachsen.
Mit der Fähigkeit, die andere Sprache zu beherrschen und praktische berufliche Erfahrungen bei den Nachbarn zu sammeln, ergeben sich viele neue berufliche Möglichkeiten.
Ein wenig beneide ich die jungen Menschen um diese Möglichkeit. Und gerade in einem Hotel- und Gastronomieberuf sowie im Tourismus sind der Austausch und das Kennenlernen anderer Völker eine wichtige Basis für die weitere Entwicklung im Beruf.
Denn man lernt nie aus.

Das Buch unterwegs: Hier finden Sie interessante Informationen zur Buchtour quer durch Deutschland.

Aus dem Buch der Bildungsrepublik