Gisela Lövenich
Bremen
Bremen, 12.12.2008
Mit 18 Jahren war ich bereits verheiratet und als ich 26 Jahre alt war, kam mein viertes Kind zur Welt. Ich hatte viele Jahre alle Hände voll zu tun bei der Bewältigung meiner familiären und alltäglichen Pflichten. Nebenher ging ich auch noch arbeiten, um meinem Mann die Bürde des Brötchenverdieners zu erleichtern. Die Enkelkinder waren schon da, als ich mich irgendwann auf mich selbst besann, auf das, was mir von jeher Spaß gemacht hatte: das Schreiben.
Das begann damit, dass ich Gedichte verfasste und sie ins Internet stellte. Eine meiner Schwiegertöchter gab mir eines Tages den entscheidenden Stoß in Richtung Weiterbildung. Sie wies mich auf die Möglichkeit eines Fernstudiums hin. So nahm ich mit 62 Jahren ein Fernstudium für Belletristik auf, das ich nach zwei Jahren erfolgreich abschloss. Ich war am Anfang voller Zweifel und betrachtete das Studium zunächst als Experiment. Das erneute, aber so späte Drücken der Schulbank war für mich ein enormer Gewinn. Ich hätte nie gedacht, dass solche Leistungen in meinem Alter noch möglich wären. Heute bin ich auf das Resultat stolz, selbst wenn ich dadurch "nur" den Nutzen ziehe, dass mein Selbstwertgefühl auf der Skala etwas höher geklettert ist.
Inzwischen habe ich begonnen, mein Leben zu erzählen. In erster Linie schreibe ich die vielen Kapitel meines Lebens nieder, um sie meinen Kindern und Enkelkindern zu hinterlassen. Vielleicht werde ich auch eines Tages den Mut fassen und mich an einen Verlag wenden. Gerade vor einigen Tagen hatte ich schon ein kleines Erfolgserlebnis meiner Lust am Schreiben.
Unsere Tageszeitung hatte ihre Leser aufgerufen, eine selbst verfasste Weihnachtsgeschichte einzureichen. Am Tag des Einsendeschlusses schickte ich meine Geschichte per E-Mail an die Redaktion, quasi auf den letzten Pfiff. Als ich die Mitteilung bekam, dass meine Geschichte zusammen mit noch acht anderen auserwählt wurde, war ich selig. Meine Story und die der acht anderen Autoren sind inzwischen auf einer CD erschienen. Es ist ein Mix aus weihnachtlichen Liedern und Geschichten. Wir Autoren hatten keinerlei finanziellen Gewinn an der CD. Wir haben unsere Geschichten gespendet. Der Erlös der CD trägt dazu bei, armen Bremer Kindern ein schönes Weihnachtsfest zu gestalten. So hatte ich doppelten Grund zur Freude. Ich war nicht nur stolz, dass mein Name auf der CD erwähnt wird. Ich freute mich besonders, dass ich einer guten Sache dienen konnte. Nachdem ich mich auf der Seite aufstieg-durch-bildung.info umgesehen habe, ist mir durchaus klar, dass ich vielleicht ein wenig aus der Reihe tanze. Aber möglicherweise gebe ich manchem anderen den Ansporn zum Lernen, der bisher gezögert hatte, weil er meinte, dafür sei es für ihn zu spät.
Das ist es wirklich nie, kann es zudem nie sein, weil man ja nie aufhört zu lernen. Was für ein Glück!
Das Buch unterwegs: Hier finden Sie interessante Informationen zur Buchtour quer durch Deutschland.