Cihan aus Berlin
Lehrling zur Fachkraft im Gastgewerbe
Berlin, 12.01.2009
Heute hat Cihan realistische Träume: Er weiß, er kann seine Ausbildung in Berlin zur Fachkraft im Gastgewerbe schaffen. Im September stehen die ersten Prüfungen an. Dann kommt er ins zweite Lehrjahr.
So bodenständig und zielstrebig war sein Leben nicht immer. Cihan ist in Berlin geboren und aufgewachsen, seine Eltern kommen ursprünglich aus der Türkei. Schon in der Grundschule geriet der Junge in ein kriminelles Umfeld und beging Straftaten: Autos aufbrechen, Fahrräder stehlen und Gewalt gehörten zu seinem Alltag. Seine Eltern wussten sich nicht zu helfen und entschieden sich, zurück in die Türkei zu gehen. Mit 15 Jahren kam Cihan dort auf eine spezielle Schule, die sich um zugewanderte Schüler kümmert.
An die neue Umgebung und die Kultur in der Türkei gewöhnte sich Cihan schnell und bald hatte er sich eingelebt. In der Schule herrschte ein sehr strenger Ton, ein disziplinierter Tagesablauf war vorgegeben. Dennoch wurde Cihan hier nicht ruhiger und seine Noten blieben schlecht.
Deshalb entschieden sich Cihans Eltern, nach einem Jahr Türkei wieder nach Deutschland zurückzugehen. Der Vater und sein älterer Bruder kümmerten sich um Cihans Aufnahme in eine Berliner Gesamtschule. Dort wiederholte er die siebte Klasse und begriff langsam, wie wichtig die Schule ist.
In der neunten Klasse verliebte sich Cihan das erste Mal. Und er wollte sich und seiner Freundin beweisen, was wirklich in ihm steckt: Er erreichte den erweiterten Hauptschulabschluss - nur ein Punkt fehlte ihm zum Realschulabschluss.
Seine erste Ausbildung zum Bürokaufmann wurde ihm durch seine Familie vermittelt. Doch Cihan stellte sehr schnell fest, dass er nicht für das Büro geschaffen war und brach die Lehre ab. Danach vermittelte ihm sein Vater einen Platz in einer Schneiderschule. Weil Cihan seinen Mitschülern und Kollegen gegenüber jedoch handgreiflich wurde, kündigte man ihm fristlos.
In einer Gruppenmaßnahme des JobCenters lernte Cihan das CJD kennen und wurde in eine Ausbildung des CJD Berlin vermittelt. Hier fühlt sich der junge Mann sehr wohl: "Unsere Ausbilder nehmen sich Zeit, um uns den Lernstoff zu vermitteln. Man bekommt immer eine Chance. Wenn es ein Problem gibt, dann wird gleich an Lösungen gearbeitet."
Cihan sieht seiner Zukunft heute sehr positiv entgegen. Und wenn er eines sicher gelernt hat, dann, wie wichtig es ist, Menschen mehrere Chancen zu geben. Denn sonst wäre sein Leben anders verlaufen.
Das Buch unterwegs: Hier finden Sie interessante Informationen zur Buchtour quer durch Deutschland.