Bildung vermitteln heißt: den aufklärerischen Prozess voranzutreiben

Dr. Beate Porombka

Direktorin der Volkshochschule Bremerhaven

Bremerhaven, 12.01.2009

Foto: Dr. Beate PorombkaMeine eigene Bildungsbiografie ist stark geprägt vom zentralen Begriff der historischen Aufklärung. Ihre Zielsetzungen haben während meines Studiums der Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte besondere Faszination auf mich ausgeübt. Rückblickend hätte ich es nicht für möglich gehalten, dass sich "die gute alte Tante Aufklärung" eigentlich wie ein roter Faden durch meine berufliche Laufbahn zieht und immer wieder Motor für meine Entscheidungen war.

Das Zeitalter der Aufklärung ist das Zeitalter der Vernunft. Sie allein kann souverän und vorurteilsfrei unsere Erkenntnis, die einzelmenschliche Lebensgestaltung und die Grundlage einer jedweden politisch-gesellschaftlichen Ordnung ermöglichen, die der Freiheit und der Beförderung von Harmonie und Wohlstand aller dient.

Bildung vermitteln und Bildungsprozesse initiieren bedeutet für mich heute nichts Geringeres als diesen aufklärerischen Prozess voranzutreiben und zwar in dreierlei Hinsicht: Persönlichkeitsentwicklung, gesellschaftliche Teilhabe, berufliches Verwendungswissen.

Doch um dorthin zu gelangen, war es ein Stück des Weges. Meine Doktorarbeit über Kurt Tucholsky brachte mir vor allem sehr viele Einsichten über die Dialektik der Aufklärung, d. h. vor allem über das Scheitern des Projekts Moderne, damit verbunden aber auch die Motivation dazu, den gesellschaftlichen Prozess aktiv mitzugestalten.

Vor diesem Hintergrund eine adäquate, das heißt zufrieden stellende Position auf dem Arbeitsmarkt zu finden, schien mir ganz klar nur auf dem Bildungssektor möglich zu sein. Wichtige zentrale Erfahrungen konnte ich hier als Dozentin sammeln, während mein offizieller Berufseinstieg beim Deutschen Bundestag erfolgte. Das Motto des Lebenslangen Lernens habe ich dabei persönlich immer praktiziert, obgleich es noch nicht ausgerufen war; so z. B. mit einer Zusatzqualifikation zur PR-Beraterin (DPRG). Weitere Berufsjahre in der freien Wirtschaft brachten mich erst über Umwege, aber mit einem großen Zuwachs an praktischem Wissen, zum gewünschten Ziel: in die Erwachsenenbildungsarbeit.

Als Abteilungsleiterin für Bildungsmarketing, Projekt- und Qualitätsmanagement bei einer der zehn großen Volkshochschulen Deutschlands fügten sich für mich zu diesem Zeitpunkt alle bildungsbiografischen Mosaiksteine zu einem Bild: Im Studium hatte ich gelernt, was es heißt, aufklärerisch zu denken. Durch meine Ausbildung zur PR-Beraterin und die Tätigkeit auf dem Bildungssektor hatte ich nun quasi das nötige Rüstzeug bekommen, aufklärerisch tätig zu sein. Das bedeutet bis heute für mich, dass ich von einem ganzheitlichen Bildungsbegriff ausgehe und Bildung nicht auf berufliche Bildung oder rein zweckrationales Wissen reduziere.

Doch die Tätigkeit bot weitaus mehr; im Bereich Projektmanagement lernte ich das gesamte Spektrum und den Gestaltungsspielraum der EU-Förderprogramme kennen. Mitte der Neunziger Jahre waren es schließlich auch die europäischen Bildungspolitiker, die den Begriff des Lebenslangen Lernens aus der Taufe gehoben haben - ein Begriff, der es in Deutschland lange Zeit schwer gehabt hat und vielleicht erst so richtig mit den Lernenden Regionen ins Bewusstsein der Öffentlichkeit  gerückt wurde. Im Rahmen dieser ersten  bundesweiten Bildungskampagne wurde Lernen nicht nur mit Lust verbunden, es entstanden auch Netzwerke im Dienste der Bildung, die die alten Konkurrenten zu Kooperationspartnern machten.

Heute - nach mehrjähriger verantwortlicher Gestaltungspraxis in der Position einer VHS-Direktorin in wirtschaftlich zunehmend schwierigen Zeiten lautet mein Plädoyer mehr denn je: Die Herausforderung der Zukunft wird darin bestehen, nicht die aufklärerisch inspirierte Erwachsenenbildung gegen die ausschließlich marktförmiges Wirtschaftlichkeitsdenken propagierende Erwachsenenbildung auszutauschen und dabei alles auf der Strecke zu lassen, was sich nicht auf den ersten Blick auf der Ertragsseite darstellen lässt -  nein, es geht darum, beide Positionen miteinander kompatibel zu machen, damit die Rede von der Bedeutung des Lebenslangen Lernens auch einlöst, was sie verspricht.

Das Buch unterwegs: Hier finden Sie interessante Informationen zur Buchtour quer durch Deutschland.

Aus dem Buch der Bildungsrepublik