Gabriele Gromke
Unternehmerin im Hörgeräte-Handwerk in Leipzig und als Vizepräsidentin der Bundesinnung der Hörgeräteakustiker verantwortlich für die Akademie für Hörgeräte-Akustik in Lübeck
Leipzig, 08.12.2008
"Mein Leipzig lob ich mir! Es ist ein Klein-Paris und bildet seine Leute" textete schon Goethe über seinen Studienort. Ich bin Leipzigerin - und das von ganzem Herzen. Und die Leipziger haben viel Herz und Verstand. Den setzen wir auch gern ein, um unsere Region zu einer der innovativsten Wirtschaftsstandorte in Europa werden zu lassen. Zeugen dieser Entwicklung sind in der Geschichte und auch in der Gegenwart zu finden. So wird die Leipziger Messe als "Mutter aller Messen" bezeichnet, die 1409 gegründete Universität ist die zweitälteste in Deutschland und so steht heute eine starke mittelständische Wirtschaft für die Verknüpfung von Technologie, Dienstleistung und Innovation.
Diese Verzahnung von Theorie und Praxis hat auch meinen Bildungsweg begleitet. Nach meiner Schulzeit habe ich ebenfalls einen dualen Beruf "Maschinenbauer mit Abitur" gewählt. Gleichzeitig absolvierte ich die Berufsausbildung und legte das Abitur ab. Dieser Ausbildungsweg war ein typisches DDR-Produkt. Und der Anteil der Mädchen, die diesen technischen Ausbildungsberuf gewählt haben, war nicht gering! Der Technik blieb ich dann treu, obwohl diese etwas filigraner wurde. Ich ließ mich zur Audiologie-Phoniatrie-Assistentin ausbilden.
Mit der Wende 1989 gab es auch bei mir viele Veränderungen. Die Anpassung von Hörgeräten, die in der DDR durch die Polikliniken erfolgte, wurde in der Bundesrepublik von selbstständigen Hörgeräteakustiker-Meistern durchgeführt. Mit 40 Jahren setzte ich mich auf die Schulbank und legte meine Meisterprüfung an der Akademie für Hörgeräte-Akustik in Lübeck ab. Nach der Handwerksordnung war ich nun berechtigt, ein eigenes Geschäft zu eröffnen - das war für mich eine große Herausforderung! Seit 1991 hat sich mein Unternehmen mit 8 Fachgeschäften und 30 Mitarbeitern gut entwickelt. Insbesondere die Aus- und Weiterbildung liegt mir dabei am Herzen. Momentan bilde ich 5 Jugendliche zu Hörgeräteakustikern aus. Die Erstausbildung in unserer Branche konzentriert sich an der Akademie für Hörgeräte-Akustik in Lübeck, an der sowohl der Berufsschulunterricht als auch die überbetriebliche Ausbildung stattfindet.
Der Bildungsstandort Lübeck hat bei den Hörgeräteakustikern einen besonderen Stellenwert. Dort legt man seine Gesellenprüfung ab, qualifiziert sich zum Meister weiter oder man nimmt an den zahlreichen Fortbildungen teil. Im Vorstand der Bundesinnung der Hörgeräteakustiker trage ich als Vizepräsidentin die Verantwortung für unsere Akademie. Gemeinsam mit den Mitarbeitern der Akademie stimmen wir die verschiedenen Bildungsangebote mit den Erfordernissen der Unternehmen ab. Mit bundesweit 10.000 Beschäftigten ist die Branche zwar überschaubar, jedoch äußerst innovativ.
Um die vielfältigen Aufgaben im Bildungsbereich und als Unternehmerin wahrzunehmen, braucht man hochwertiges fachliches Wissen und Können, Verantwortungs- und Einsatzbereitschaft und Mut, sich selbst zu vertrauen und seinen eigenen Weg zu gehen. Es ist immer wieder ein erhebendes Gefühl für alle Beteiligten, wenn sich Erfolge einstellen und sich Lebensziele verwirklichen. Das Handwerk bietet hervorragende Möglichkeiten, sich eine berufliche und private Zukunft aufzubauen. Ob als Unternehmerin oder Vizepräsidentin der Handwerkskammer zu Leipzig oder auch als Mitglied des Meisterprüfungsausschusses Halle - ich bin mit Leib und Seele Wegbegleiterin für junge Menschen.
Das Buch unterwegs: Hier finden Sie interessante Informationen zur Buchtour quer durch Deutschland.