Ein Traum wurde Wirklichkeit

Prof. Dr.- Ing. Nina Vojdani

Leiterin des Lehrstuhls für Produktionsorganisation und Logistik an der Universität Rostock

Rostock, 15.01.2009

Alles fing an in einem Land, weit entfernt von meinem jetzigen Lebensraum, im Iran. Dort lebte ich in einer Stadt mit ca. 7 Millionen Einwohnern, in der Hauptstadt Teheran. Als Älteste von drei Geschwistern einer Lehrerfamilie habe ich mich in der Schule für den naturwissenschaftlichen Zweig entschieden. Viel Mathematik, Physik und Chemie standen auf meinem täglichen Stundenplan. Darüber hinaus haben mich Sprachen und Literatur sehr interessiert. Ich erinnere mich an meine Literaturlehrerin, die den Stoff sehr spannend vermittelte. Wenn Sie über verschiedene Schriftsteller und deren Werke erzählte, hörte ich mit großer Aufmerksamkeit zu und habe Literatur regelrecht verschlungen.

Anfang der 70er Jahre, als mein Onkel nach seinem Studium in England an die Technische Universität in Teheran als Professor für "Electronics" berufen wurde und nach Teheran zurückkehrte, haben meine zwei Geschwister und ich ihn zum ersten Mal kennengelernt. Wir waren sehr klein, als er zum Studium ins Ausland ging. Meine Augen fingen an zu funkeln, als er uns über seinen Beruf berichtete und mit welchen interessanten Themen er sich auseinandersetzte. Ich wollte auch so werden wie er und nahm ihn mir zum Vorbild. Um meinen Lebenstraum realisieren zu können, entschied ich mich, eine wissenschaftliche Laufbahn einzuschlagen und begann zu studieren.
Im Iran musste man eine Aufnahmeprüfung bestehen, um studieren zu können. Nach dem Abitur habe ich mit dem Studium "Business Management" mit dem Schwerpunkt Informatik begonnen und war fasziniert von den Möglichkeiten, die die aufkommende Computertechnik erahnen ließ. Ein Jahr später habe ich deshalb parallel dazu das Studium der Elektrotechnik aufgenommen. Während meines Studiums war ich als studentische Mitarbeiterin an verschiedenen Lehrstühlen tätig. Durch die flankierende Vorbereitung von Vorlesungen habe ich mein Interesse entdeckt, Wissen an andere weiterzugeben. Nach Ende meines Management Studiums habe ich ein Masterstudium in "Computer Science" aufgenommen. Wir arbeiteten mit der PDP-11, einem 16 Bit-Computer, der von der Firma DEC (Digital Equipment Corporation) in den 1970er und 1980er Jahren angeboten wurde. Seitdem hat sich sehr viel in der Computerwelt getan.

1979 erfolgte ein Regierungswechsel im Iran und die Universitäten wurden 1980 im Zuge einer Neuorientierung geschlossen. Für mich stellte sich die Frage: Was machst Du jetzt? Mittlerweile wohnte mein Onkel aufgrund seines Jobs in Hamburg und im August 1980 entschied ich mich, nach Deutschland zu reisen, um ihn und seine Familie zu besuchen. Da der Ausbruch des Krieges zwischen Iran und Irak im September 1980 meine Rückkehr nach Teheran verhinderte, entschloss ich mich, die deutsche Sprache intensiv zu erlernen und mein Studium "Computer Science" in Deutschland fortzuführen. Die junge, technisch orientierte Universität Dortmund, bot als eine der wenigen Universitäten den Diplom-Studiengang Informatik an und ich hatte das Glück, mich in diesen einschreiben zu können.
Schon während des Informatikstudiums und dem Parallelstudium der Elektrotechnik war ich als studentische Mitarbeiterin an der Fakultät Maschinenbau tätig. Die Kombination aus Maschinenbau, Informatik und Betriebswirtschaftslehre faszinierte mich derart, dass ich nach dem Informatikstudium eine Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Fabrikorganisation mit dem Ziel der Promotion aufgenommen habe. Als Informatikerin musste ich eine Reihe von Zusatzprüfungen im Maschinenbau absolvieren, um für eine Promotion zum Dr.-Ing. zugelassen zu werden.

Noch heute erinnere ich mich an die Begrüßung durch einen Professor zu der Klausur "Fertigungsverfahren". Er sagte: "Guten Tag, meine Dame. Guten Tag, meine Herren". Ich war die einzige Frau und nicht einmal Maschinenbauer. Ich denke, damals lag der Anteil der Frauen im Maschinenbau bei ca. 3%. Heute ist der Anteil von Studentinnen im Maschinenbau erfreulicherweise wesentlich höher.
In den folgenden Jahren nach meiner Promotion im Maschinenbau führte mein Weg als Wissenschaftlerin an der Universität Dortmund in den interdisziplinären Bereich der Logistik und zu einem in diesem Umfeld tätigen Beratungsunternehmen. 1999 folgte ich dem Ruf an die Fakultät Maschinenbau und Schiffstechnik der Universität Rostock als Maschinenbauprofessorin mit dem Lehrstuhl Produktionsorganisation und Logistik. Rostock als Hansestadt an der mecklenburgischen Ostseeküste mit den neu herausgeputzten altehrwürdigen Gebäuden, mit der drittältesten Universität in Deutschland (gegründet 1419, damals übrigens noch vom Papst), etwa 15.000 Studierenden und fast 60 Jahren ingenieurwissenschaftlicher Forschung und Lehre.
Das von mir ins Leben gerufene Rostocker Logistik Forum, das sich der Verknüpfung von Wissenschaft und Wirtschaft widmet, erfreut sich einer positiven Resonanz und hat sich als eine Plattform für Wissens- und Erfahrungsaustausch mit der Industrie etabliert. Mein Leben ist von einem großen Wissensdurst geprägt. Ich freue mich sehr darüber, dass ich mit so wundervollen Menschen zusammenarbeite. Unser gemeinsames Ziel ist es, möglichst viele junge Leute auf Ihrem Bildungsweg zu begleiten und Ihnen viel Wissen, Methoden und Werte zu vermitteln.

"Die Zukunft gehört denen, die an die Schönheit ihrer Träume glauben!"
(Eleanor Roosevelt, 1933 - 1945 US-First Lady)

Das Buch unterwegs: Hier finden Sie interessante Informationen zur Buchtour quer durch Deutschland.

Aus dem Buch der Bildungsrepublik