Julia Münch
alleinerziehende Mutter und Auszubildende in Teilzeit
Bremen, 08.12.2008
Bis zur neunten Klasse der Realschule lief alles nach Plan. Obwohl ich damals noch nicht genau wusste, wie ich meine Zukunft gestalten wollte. Mit 15 Jahren erfuhr ich, dass ich schwanger bin. Und entschied mich dafür, das Kind zu bekommen, obwohl meine damalige Klassenlehrerin versuchte, mich vom Gegenteil zu überzeugen. Ich bin bis vier Wochen vor der Geburt zur Schule gegangen. Ich hatte nicht vor, die Schule abzubrechen: Mir fehlte nur noch ein halbes Jahr bis zu meinem Abschluss. Am 28. November 2003 kam meine Tochter dann auf die Welt und nur drei Wochen später war ich wieder in der Schule. Dank der Hilfe meiner Familie habe ich meinen Abschluss geschafft. Und ich habe die Berechtigung erworben, die gymnasiale Oberstufe zu besuchen. Ich wollte aber erst einmal ein Jahr Pause machen und ganz für meine Tochter da sein.
Im Sommer 2005 begann dann meine Zeit auf dem Gymnasium. Während meine Tochter bei einer Tagesmutter war, saß ich in der Schule, um mein Abitur zu machen. Leider musste ich feststellen, dass zwischen der Realschule und dem Gymnasium ein großer Unterschied besteht, was die Anforderungen betrifft. Dies zeigte sich darin, dass ich den elften Jahrgang wiederholen musste, was mich unter weiteren Druck setzte, da die Verweildauer auf der Schule maximal vier Jahre beträgt und das Abitur an sich schon drei Jahre in Anspruch nimmt. Da ich schon ein Jahr verschwendet hatte und aufgeben für mich nicht in Frage kam, musste ich schnellstmöglich zusehen, dass ich es mit Kind schaffe, den Anforderungen zu entsprechen. Leider zeigten sich weitere Schwierigkeiten, da die Tagesmutter aufgrund eines Unfalls ausfiel. Zuerst wusste ich nicht, wie ich das bewältigen sollte. Doch dank einer Freundin meiner Mutter, die sich während der Schulzeit um meine Tochter kümmerte bis sie in den Kindergarten kam, war auch dieses Problem gelöst. Nachdem ich im zweiten Anlauf den elften Jahrgang geschafft hatte, musste ich in der Mitte des zwölften Jahrgangs letzten Endes doch das Handtuch werfen. Kind und Abitur auf einmal war einfach nicht zu schaffen, was mir bis heute leid tut, da ich viel gelernt und die Zeit genossen habe.
Ich hatte schon während meiner einjährigen Pause gemerkt, dass mir nach nur einigen Wochen die Decke auf den Kopf fällt und ich nicht einfach zu Hause sitzen wollte. Ich meldete mich ausbildungssuchend und wurde von meinem Arbeitsvermittler zu einem Gespräch eingeladen. Als ich ihm sagte, dass ich eine Ausbildung im kaufmännischen Bereich machen möchte, erzählte er mir etwas von einer Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation für alleinerziehende Mütter in Teilzeit, die vom Bildungszentrum der Wirtschaft im Unterwesergebiet angeboten wird. Dieses Angebot war nicht nur interessant, es passte wie die Faust aufs Auge. Nachdem ich mich dort beworben hatte, wurde ich zu einem Einstellungstest und Bewerbungsgespräch eingeladen. Mir wurde angeboten, an einem viermonatigen, vorhergehenden Seminar teilzunehmen, an dem noch 21 weitere Mütter beteiligt waren. Nur 15 von uns wurden später in die Ausbildung übernommen. Und ich war eine davon.
Inzwischen bin ich im ersten Lehrjahr und es macht mir sehr viel Spaß. Obwohl mein Weg sehr steinig war und ich lange nicht wusste, wohin er mich führt, habe ich es am Ende doch auch mit Kind geschafft. Ich habe bisher nicht alle meine Ziele erreicht, die ich mir gesetzt habe. Aber das heißt nicht, dass ich es nicht auch weiterhin versuchen werde.
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