Auf Umwegen zum Traumberuf

Lutz Göbert

Lehrer und Leiter der Eliteschule des Fußballs an der Integrierten Stadtteilschule Obervieland in Bremen

Bremen, 30.01.2009

Foto: Lutz GöbertIch komme aus einem sportbegeisterten und sportorientierten Elternhaus. Mein Vater war ein sportliches Allroundtalent und lange Jahre als Trainer der Tischtennisnationalmannschaft in der damaligen DDR sehr erfolgreich tätig.
Ich sollte unbedingt in seine Fußstapfen treten. Dementsprechend wurde in unserer Familie der Sport in den Vordergrund gerückt. Eine gut fundierte Bildung als Grundlage für ein erfolgreiches und erfülltes Berufsleben spielte keine große Rolle. Damals glaubte ich, dass, wenn ich erst einmal gut im Sport bin, alles schon von alleine laufen wird. Schule und Lernen spielte für mich eine untergeordnete Rolle. Von meinem zehnten bis 14. Lebensjahr träumte ich davon, Fußballprofi zu werden - Talent dazu war vorhanden.
Ich musste aber bald erkennen, dass zu einem erfolgreichen Sportler mehr gehört als Talent. Zielstrebigkeit, Ehrgeiz, viel Zeit und der Verzicht auf Freizeit und Spaß, aber auch eine gehörige Portion Glück sind wichtige Aspekte, um erfolgreich zu sein.
Pubertät, Auflehnung gegen den Vater und auftretende schulische Probleme ließen mich eine Lehre als Versicherungskaufmann machen. Nach fünf Jahren in der Krankenversicherung war mir allerdings klar, dass es das nicht sein konnte, die nächsten 30 Jahre in einem Büro zu sitzen und Akten zu bearbeiten und zu verwalten.

Ich wollte etwas mit Sport machen, wollte Kindern und Jugendlichen Freude am Sport vermitteln. Ich wollte aber auch vieles besser verstehen von dem, was ich selbst als Einschränkung bzw. Mangel erlebt hatte. Zum Beispiel, inwieweit der Leistungssport dazu führt, andere Dinge im Leben zu vernachlässigen, die für ein erfülltes, zufriedenes und selbstbestimmtes Leben sehr wichtig sind, nämlich Bildung und Kultur. Beides - Leistungssport und Bildung - sollte sich nicht ausschließen.
Mein Ziel, etwas mit Sport, vielleicht sogar mit Leistungssport, mit Ausbildung und mit Trainertätigkeit zu tun zu haben, vor Augen, entschied ich mich, mit 25 über den "Zweiten Bildungsweg", meine Zulassung zum Hochschulstudium zu erwerben, um dann Sport und Geschichte auf Lehramt zu studieren. Nach dem Studium konnte ich allerdings nicht sofort als Lehrer arbeiten, sondern musste den Umweg über einen Sportverein gehen. Hier war ich viele Jahre als hauptamtlicher Sportlehrer für den Jugendfußball, aber auch für die Kooperation Schulsport und Vereinssport verantwortlich. In dieser Zeit habe ich erfahren, wie wichtig eine gute Schulbildung und eine allgemeine gute sportliche Ausbildung für ein gesundes Selbstbewusstsein ist.
Mit Unterstützung des Vereins konnte ich dann endlich eine Stelle als Lehrer in der Schule antreten.
Seit 12 Jahren bin ich nun in Obervieland/Bremen als Lehrer und seit drei Jahren auch als Leiter des Sportprofils Fußball tätig.
Ich arbeite u.a. mit talentierten, ehrgeizigen Sportlern/Fußballern zusammen, begleite und unterstütze in der Oberstufe Spitzenfußballer auf dem Weg zum Abitur und zum Berufsfußballer. In dieser Tätigkeit fließen nun viele meiner Fähigkeiten und Interessen zusammen, so dass ich sagen kann: die Umwege haben sich gelohnt - ich übe nun meinen Traumberuf aus.

Das Buch unterwegs: Hier finden Sie interessante Informationen zur Buchtour quer durch Deutschland.

Aus dem Buch der Bildungsrepublik