Vom Meister zum Master
"Offene Hochschulen" verbinden erfolgreich berufliche und akademische Bildung
Es gibt sie, die zweite Chance: Berufstätige ohne Abitur können an ausgewählten deutschen Hochschulen studieren, um den Aufstieg im Job zu schaffen und Führungskräfte qualifizieren sich berufsbegleitend mit einem MBA für höhere Aufgaben. "Offene Hochschule" heißt das Zauberwort, das berufliche und akademische Bildung erfolgreich verzahnt.
Lüneburg ist eine von vier Hochschulen in Niedersachsen, die sich am Modellvorhaben "Offene Hochschulen" beteiligen. Weitere Beispiele finden sich in Brandenburg und Bayern. So steigt die soziale Mobilität: Der Kfz-Meister kann zukünftig auch ohne Abitur den Master als Wirtschaftsingenieur machen, die pharmazeutisch-technische Assistentin ein Pharmaziestudium absolvieren, der Elektriker Elektrotechnik studieren oder eine Führungskraft dank des nachträglichen Master-Abschlusses zum nächsten Karrieresprung ansetzen. Die Zulassung zum Studium kann nach mindestens dreijähriger Berufserfahrung erfolgen, wenn der spezielle Studiengang verwandt mit dem erlernten Beruf ist. Im Job erworbene Kompetenzen werden im Studium berücksichtigt. Dabei bauen die Hochschulen auf die Förderinitiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung "Anrechnung beruflicher Kompetenzen auf Hochschulstudiengänge" (ANKOM) auf. Für ausgewählte Weiterbildungs-Projekte hat die Initiative seit 2005 Verfahren entwickelt und in einigen Hochschulen eingeführt, mit denen Berufserfahrung angerechnet werden kann.
Ziel der "Offenen Hochschule" ist es, die Durchlässigkeit von akademischer und beruflicher Bildung zu verbessern, zudem die Vereinbarkeit von Beruf und Studium sowie eine praxisorientierte akademische Ausbildung zu ermöglichen. Damit leisten die Hochschulen einen wertvollen Beitrag für die wissensbasierte Gesellschaft, für bessere Aufstiegsmöglichkeiten und gegen den Fachkräftemangel, der allein bei den Ingenieurwissenschaften auf 85.000 unbesetzte Stellen im Jahr 2013 geschätzt wird. Das BMBF fördert Hochschulen, die Brücken zwischen beruflicher und akademischer Bildung bauen, in den kommenden Jahren mit 250 Millionen Euro. Gemeinsam mit den Ländern hat das BMBF 2010 dafür zusätzlich den Wettbewerb "Aufstieg durch Bildung: Offene Hochschulen" auf den Weg gebracht – damit lebenslanges Lernen bald bundesweit Schule macht.
Für 17 Erzieher läuft nun der Countdown: In diesem Winter beginnen sie an der Leuphana Universität Lüneburg ihr Studium der Musikpädagogik. Berufsbegleitend und mit einem speziell auf sie zugeschnittenen Studiengang. Die angehenden Studenten und die Universität betreten damit Neuland. Sie tun es mit Pioniergeist: "Wir alle müssen uns den Herausforderungen des lebenslangen Lernens stellen", erklärt Sabine Remdisch, Professorin für Wirtschaftpsychologie an der Uni Lüneburg und Leiterin des Lüneburger Modellprojekts "Offene Hochschulen". Die Erzieher verbessern mit einem akademischen Abschluss ihre Karrierechancen und können das, was sie im Kindergarten leisten, an der Uni wissenschaftlich untersuchen. Der Nutzen für die Hochschule ist für Remdisch eindeutig: "Wir müssen auf den demografischen Wandel reagieren. Unsere Zielgruppen verschieben sich: Es wird weniger junge Menschen geben und mehr Ältere, die sich weiterbilden müssen."
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Kommentare zur Bildungsnachricht
von Hans-Jürgen Hitze | 13.02.2011
Sehr geehrte Damen und Herren, nennen sie mir bitte die Hochschulen wo ich mit einen Meisterbrief im Handwerk direkt einen Master-Stuiengang belegen kann. Mit freundlichen Grüßen H.J.Hitze
Anm. d. Red.:
Sehr geehrter Herr Hitze,
laut Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 10.10.2003 in der Fassung vom 04.02.2010 kann in definierten Ausnahmefällen für weiterbildende und künstlerische Masterstudiengänge an die Stelle des berufsqualifizierenden Hochschulabschlusses eine Eingangsprüfung treten. Die Inhalte des weiterbildenden Masterstudiengangs sollen die beruflichen Erfahrungen berücksichtigen und an diese anknüpfen. Bisher existieren wenige Studienangebote, die, ohne einen Bachelor vorauszusetzen, ein Masterstudium ermöglichen.
Um Ihre Suche nach einem für Sie passenden Angebot zu unterstützen, empfehlen sich insbesondere folgende Datenbanken:
www.weiterbildung.in.nrw.de
www.dgwf.net
www.wisswb-Portal.de
www.fernstudium-infos.de
Eine gute Übersicht über berufsbegleitende Studienangebote finden Sie auch unter http://studieren.de/. Geben Sie dort in der „Schnellsuche“ den Begriff „berufsbegleitend“ ein. Die Ergebnisliste gibt einen guten Überblick.
Da die Hochschulausbildung Ländersache ist, sollten Sie sich bei dem Studienberatungszentrum bzw. direkt beim betreffenden Fachbereich, der für Sie in Betracht kommenden Hochschule informieren. Möglicherweise käme für Sie auch ein Fernstudium infrage. Die Fernuniversität Hagen ist zum Beispiel die größte Einrichtung dieser Art in Deutschland und bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr Redaktionsteam von Aufstieg durch Bildung



