''Potenziale finden und fördern''

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"Potenziale finden und fördern"

Bildungslotsen ebnen Schülern den Weg zu Abschluss und Ausbildung

Talente schlummern in jedem Schüler. Sie bei Jugendlichen mit schulischen Problemen zu wecken und zu fördern, ist Ziel der BMBF-Initiative "Bildungsketten bis zum Ausbildungsabschluss". 1.000 Berufseinstiegsbegleiter weisen in den nächsten Jahren bis zu 30.000 Jugendlichen den Weg zum Schulabschluss und ins Berufsleben. Mats Landgren, zuständig für die Berufseinstiegsbegleitung beim Bildungsmarkt e. V. in Berlin, erklärt, wie er erfolgreich beschritten wird.

Was hat Sie an der BMBF-Initiative "Bildungsketten bis zum Ausbildungsabschluss" gereizt?

Als Bildungsträger arbeiten wir schon lange mit jungen Menschen zusammen, die individuell gefördert werden müssen. Wir bilden sie in unseren Lehrbetrieben auch aus und sind mit den Problemen vertraut, die viele von ihnen im Alter zwischen 13 und 18 Jahren haben. Lernen fällt vielen Schülern nicht immer leicht. Aber nur darin liegt ihre persönliche und berufliche Zukunft. Alle Menschen in Deutschland werden gebraucht. Um sie für den Abschluss und die Berufswahl fit zu machen, sind wir gerne da.

Wer setzt dieses ehrgeizige Ziel konkret um?

In meinem Team habe ich fünf Berufseinstiegsbegleiter, die an sechs Berliner Schulen eingesetzt werden und jeweils 20 Schüler betreuen sollen. Bei den so genannten Bildungslotsen handelt es sich um Sozialpädagogen und Meister, die langjährige Erfahrung mit abschlussgefährdeten Jugendlichen haben und von uns fortlaufend weitergebildet werden. Wir legen großen Wert auf die Mischung aus Pädagogen und Berufspraktikern. Nur so kann man den komplexen Anforderungen dieser Aufgabe gerecht werden.

Wie werden die förderungsbedürftigen Schülerinnen und Schüler ausgewählt?

Alle Schüler sollen unserem Fahrplan nach in der 8. Klasse zunächst eine dreitägige Potenzialanalyse durchlaufen. Die Analyse hilft den Schülern, eigene Stärken zu entdecken und ist Grundlage für den weiteren Förderplan.

Gemeinsam mit den Sozialarbeitern, den Lehrern und Lehrerinnen an den Schulen und den Beratern der Agentur für Arbeit schauen die Berufseinstiegsbegleiter, wer anschließend intensiv betreut werden soll. Sie haben dabei vor allem Jugendliche im Auge, deren Hauptschulabschluss gefährdet ist und die voraussichtlich den Sprung von der Schule in die Ausbildung nicht allein bewältigen werden.

Was leistet die Potenzialanalyse?

Die Jugendlichen erhalten Arbeitsaufträge, in denen sie ihre Teamfähigkeit, Problemlösungskompetenz und Kommunikationsbereitschaft, aber auch ihre Geschicklichkeit oder den Umgang mit Arbeitsmaterialien unter Beweis stellen können. Ein Beispiel: Zwei Schüler bekommen die Aufgabe, als Fahrradboten Waren an verschiedene Adressaten auszuliefern und dabei die günstigste Route zu finden. Das erfordert Kreativität, logisches Denken, soziale Kompetenz und Motivation. Mit diesen Beobachtungen können die Potenziale der Schüler ausfindig gemacht und gezielt gefördert werden.

Wie geht es nach der Auswahl der Schüler weiter?

Ab der 9. Klasse greifen die berufsbegleitenden Maßnahmen bis ein Jahr nach Beginn der Ausbildung. Unsere Berufseinstiegsbegleiter betreuen die Schüler dann insgesamt drei Jahre.

Wie planen Sie die weitere Förderung der Jugendlichen?

Zunächst führen die  Berufseinstiegsbegleiter mit den Schülern Gespräche, um sich kennen zu lernen. Danach definieren sie schrittweise Ziele, die der Schüler kurz- oder mittelfristig erreichen soll. Nehmen wir folgenden Fall: Ich bin in der 9. Klasse und weiß ungefähr, was ich gerne machen würde. Die Potenzialanalyse hat gezeigt, ich bin kommunikativ und teamfähig. Vielleicht eigne ich mich als Verkäufer oder Restaurantfachfrau. Um zu erfahren, was mich in diesen Berufen wirklich erwartet, sammle ich unter Anleitung des Berufseinstiegsbegleiters oder allein Informationen über das Berufsbild, besuche ein Restaurant und stelle dem Personal gezielt Fragen. Das gibt eine erste Orientierung. Solche Aufgaben wie auch die Praktika in der 9. und 10. Klasse werden im Berufswahlpass dokumentiert. Mithilfe dieses Dokuments kann dann jeder Betrieb die Ausbildungsreife des Jugendlichen erkennen.

Wie verzahnen Sie die Begleitung mit den Ausbildungsbetrieben?

Manche Betriebe erwarten die Bewerbungsunterlagen schon ein Jahr vor Ausbildungsbeginn. Um einen nahtlosen Übergang vom Abschluss zur Ausbildung zu gewährleisten, möchten wir die Schüler mit Bewerbungstrainings frühzeitig darauf vorbereiten. Natürlich verfügen wir auch über zahlreiche Kontakte zu interessierten Ausbildungsbetrieben in der Region. Hier werden unsere Bildungslotsen frühzeitig aktiv und klären, welcher Schützling sich für welche Ausbildung und welchen Betrieb eignet.

Welches Ziel haben Sie am Ende des Projekts vor Augen?

Die Jugendlichen sollen am Ende wissen: Was kann ich? Was will ich? Wo will ich hin? Was ist realistisch? Dank der BMBF-Initiative können wir die Jugendlichen drei Jahre lang kontinuierlich, ganzheitlich und individuell betreuen. Damit haben sie gute Chancen auf einen erfolgreichen Schulabschluss und einen günstigen Start ins Berufsleben.

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