''Wir brauchen keine Knöpfledrücker, sondern Mitarbeiter, die mitdenken können''


Die BMBF-Initiative "Perspektive Berufsabschluss" bietet für an- und ungelernte Mitarbeiter in Betrieben die Chance zur Nachqualifizierung.

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Foto: Gustav Naujoks

Gustav Naujoks, Geschäftsführer Metallform Glaser GmbH

"Wir brauchen keine Knöpfledrücker, sondern Mitarbeiter, die mitdenken können"

Die Initiative "Perspektive Berufsabschluss" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung bietet für an- und ungelernte Mitarbeiter in Betrieben die Chance zur Nachqualifizierung.

"3, 2, 1...meins" - das gilt nicht nur für Schnäppchen, sondern auch für den Berufsabschluss: Initiative ergreifen, Nachqualifizieren, Abschluss erhalten - drei ungelernte Mitarbeiter beim Bamberger Betrieb Metallform Glaser GmbH haben es geschafft und besitzen seit Mai einen Abschluss. Der Geschäftsführer Gustav Naujoks über seine positiven Erfahrungen mit der Nachqualifizierung ungelernter Kräfte.

Herr Naujoks, Sie haben in Ihrem mittelständischen Betrieb gleich drei ungelernten Angestellten durch Nachqualifizierung zum Berufsabschluss verhelfen können. Wieso hatten die Mitarbeiter keine Ausbildung?

In allen Fällen waren es die so genannten Unwägbarkeiten des Lebens. Einer hatte den berühmten Knick in seinem Lebenslauf, die anderen beiden hatten zwar früher einen Abschluss in einem anderen Beruf gemacht, in dem sie jedoch nie Fuß fassen konnten. Alle waren älter als 25 Jahre, haben in verschiedenen Betrieben und schließlich bei uns immer nur als Helfer gearbeitet.

Weshalb hat sich Ihr Betrieb dann entschlossen, diese Mitarbeiter nachträglich zum Berufsabschluss zu bringen?

Alle reden doch vom demographischen Wandel der Bevölkerung, aber kaum einer stellt sich im Alltag darauf ein und ändert etwas. Als wir vom bfz Bamberg, den Beruflichen Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft, von dem BMBF-Förderprogramm "Perspektive Berufsabschluss" hörten, das die Möglichkeit der Nachqualifizierung bietet, haben wir im Betrieb dafür Werbung gemacht und die drei Mitarbeiter haben sich gemeldet. Wir haben einen Bedarf an qualifizierten Fachkräften und der wird in Zukunft noch zunehmen.

Der klassische "Knöpfledrücker" hat im Unternehmen ausgedient?

So ist es. Die Knöpfledrücker, also Leute die einfache Tätigkeiten verrichten, konnten hierzulande vielleicht vor fünf bis sechs Jahren damit noch ihren Lebensunterhalt bestreiten, doch das hat sich geändert, inzwischen sind diese Tätigkeiten in Billiglohnländer abgewandert. Wir fertigen in unserem Betreib mit 65 Mitarbeitern technische Metallwaren und Werkzeuge für Kunden aus der Automobilindustrie, der Medizintechnik sowie der Telekommunikation. An unseren Fertigungsstraßen für zwei bis drei Millionen Euro brauchen wir keine Knöpfledrücker, sondern Mitarbeiter, die mitdenken können und auch zur Lösung komplexer Probleme fähig sind. So muss etwa der Anlagenführer auch Methoden wie die statistische Prozesskontrolle verstehen.

Bundesweit liegt das Potenzial bei 1,5 Millionen Menschen zwischen 20 bis 29 Jahren, die für einen Berufsabschluss nachqualifiziert werden könnten – gleichzeitig zeichnet sich ein Fachkräftemangel ab – warum finden offenbar Angebot und Nachfrage nicht von alleine zueinander?

Zum einen gibt es ungelernte Mitarbeiter, die kein Interesse haben sich zu qualifizieren oder nicht wissen, dass sie berufsbegleitend noch einen Abschluss nachholen können. Zum anderen gibt es Unternehmen, die zuallererst die Störung im Betriebsablauf sehen, weil sie die Mitarbeiter während der Nachqualifizierung zeitweise vom Schichtplan nehmen müssen.

Wie war das bei Ihnen, welche Anforderungen hat die Nachqualifizierung von Mitarbeitern an Ihr Unternehmen gestellt?

Man muss als Betrieb die Notwendigkeit dazu erkennen und es dann auch angehen wollen. Mit nur etwas Flexibilität kann man auch Mitarbeiter im Drei-Schicht-Betrieb so freistellen, dass sie auch zur Schule gehen und sich qualifizieren können. Langfristig gewinnt der Betrieb doch. Wir wurden zudem vom Bildungsträger bfz Bamberg im Rahmen der Initiative "Nachqualifizierung Nordbayern" (NANO) sehr gut unterstützt, die haben uns bei der Einfädelung der Nachqualifizierung beraten, eng mit uns kooperiert und unsere Mitarbeiter bis zum Ausbildungsabschluss geführt.

Welche Erfahrungen haben Sie nun mit Ihren drei Mitarbeitern gemacht?

Wir haben nur gute Erfahrungen gemacht. Nach acht Monaten Nachqualifizierung hatten im Mai dieses Jahres alle drei ihren IHK-Abschluss "Maschinen- und Anlagenführer" in der Tasche. Sie sind nun fähiger als vorher und im Unternehmen qualifizierter einsetzbar. Ihre Bindung zum Betrieb wurde dabei auch intensiviert. Das ist doch der ganz große Vorteil: Wenn ein Mitarbeiter am Montagabend bei der Schulung etwas Neues lernt, der will das doch am Dienstag im Betrieb gleich ausprobieren und umsetzen. Der Mitarbeiter steigert schon während der Qualifizierung kontinuierlich seine Leistung und das kommt natürlich unserer Firma zu Gute.

Alles in allem also ein Gewinn für Unternehmen und Mitarbeiter?

Ja, das muss man wirklich so sagen. Es hat sich für alle gelohnt.

"Perspektive Berufabschluss" ist ein Förderprogramm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und wird aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds der Europäischen Union kofinanziert. Von 2008 bis 2012 fließen 67 Millionen Euro in die zwei Förderinitiativen "Regionales Übergangsmanagement" und "Abschlussorientierte modulare Nachqualifizierung", mit der an- und ungelernte Mitarbeiter die Chance auf eine Ausbildung bekommen. Im Herbst 2010 wird die Zahl der Projekte von 49 auf insgesamt 98 erhöht. Zu den geförderten Projekten zählt die "Nachqualifizierung Nordbayern (NANO)" der Beruflichen Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft, bfz Bamberg. In Deutschland haben 1,45 Millionen junge Erwachsene im Alter zwischen 20 und 29 Jahren keinen Berufsabschluss.

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