"Ganztagsschulen sind unsere Zukunft!"
Ganztagsschulen liegen bundesweit im Trend. Davon profitieren auch Kleinstädte im ländlichen Raum.
Den ganzen Tag die Schulbank drücken? Für die Schüler im Landkreis Günzburg angenehmer und anregender Alltag. Kein Wunder. Stärkt die schulische Rundumbetreuung doch Persönlichkeit, Lernfreude und Selbstständigkeit der Schüler und entlastet berufstätige Eltern. Das kann die Schulleiterin der Maria-Theresia-Mittelschule in Günzburg nur bestätigen. Karin Virag über zufriedene Schüler und anregende Angebote
Wie darf man sich den Unterricht in einer Ganztagsklasse an Ihrer Schule vorstellen?
Bei uns sind die Schüler drei Tage in der Woche von 7:55 bis 15:30 Uhr im Haus, an einem Tag bis um 17 Uhr, je nach Jahrgangsstufe. Freitags ist dann aber für alle um 13 Uhr Schluss. Gegenüber den Regelschülern bekommt jede Ganztagsklasse 12 Lehrerstunden zusätzlich zugewiesen. Diese sind für Differenzierungsmaßnahmen, aber auch für Studierzeiten vorgesehen. Hier können die Schüler ganz in Ruhe den Lernstoff üben und vertiefen sowie offen gebliebene Fragen mit den Lehrern klären. Uns ist wichtig, dass der Stundenplan "rhythmisiert" ist. Also, dass nach Mathematik eher die Musik kommt, dann noch ein Lernfach und am Nachmittag eher Sport oder Werken. Dank staatlicher Zuschüsse können wir darüber hinaus Kooperationspartner mit ins Boot holen und jeweils an einem Tag in der Woche über ein Dutzend attraktiver Arbeitsgemeinschaften anbieten. Unser Programm reicht vom Klettern über die Theaterwerkstatt bis zur Französisch-AG. Für Abwechslung und Anregung ist also bestens gesorgt.
Worauf legen Sie bei Ihrem Ganztagskonzept besonderen Wert?
Wir verstehen die Ganztagsschule als Lern- und Lebensraum. Durch das Mehr an Zeit können die Kinder individueller gefördert und Leistungsdefizite besser abgebaut werden. Dahinter steht immer auch die nachhaltige Vermittlung von Werten und Sozialkompetenz. Letztlich geht es ja darum, die Gesamtpersönlichkeit jedes einzelnen Schülers zu stärken und ihn für die Arbeitswelt fit zu machen. Das erreichen wir unter anderem mit einem besonderen Sportangebot, das Werte wie Ehrlichkeit und Respekt vermittelt. Aber auch mit unserem "Lernen-lernen-Programm", das die Schüler selbstständiger macht.
Wie nehmen Schüler und Eltern diese Programme an?
Sehr gut. Wir haben ganz überzeugte Ganztagsschüler und die geben das ihren Eltern auch so weiter. Sie wissen ihre Kinder in unserer Schule gut aufgehoben. Gerade wenn sie Job und Familie miteinander vereinbaren müssen. Die vielfältigen Angebote der Ganztagsschule gibt es quasi zum Nulltarif, gebündelt und auf die Fähigkeiten der jeweiligen Altersgruppe zugeschnitten. Das macht sie für Schüler und Eltern ebenso attraktiv wie die gesunde Mischung der Ganztagsklassen mit Kindern ganz unterschiedlicher Leistungsniveaus. Ganz konkret erkennen Eltern und Kinder bei den Hausaufgaben eine deutliche Entlastung für sich. Sie wissen die zusätzliche Lern- und Übungszeit zu schätzen.
Welche Erfolge konnten Sie mit Ihrem Konzept bislang verbuchen?
Im letzten Jahr war die Nachfrage so groß, dass wir in der 6. Jahrgangsstufe zwei Ganztagsklassen einrichten konnten. Eine Ganztagsklasse haben wir schon bis zur 9. Klasse geführt, die Schüler blieben begeistert dabei. Pro Jahr haben wir höchstens fünf Kinder, die wieder in die Regelklasse wechseln. Das ist verschwindend gering. Außerdem hatten wir die letzten drei Jahre in den Ganztagsklassen keine Sitzenbleiber zu verbuchen.
Was kann an Ihrer Ganztagsschule noch optimiert werden?
Natürlich würden wir uns noch mehr Lehrerstunden wünschen. Man spricht ja davon, dass in jeder Klasse ein Tandemlehrer sein sollte, um die Schüler noch umfassender und gezielter zu fördern. Das können wir nicht immer gewährleisten. Auch reichen die vorhandenen Räumlichkeiten nicht mehr aus, um die Nachfrage optimal zu befriedigen. Nichtsdestotrotz haben wir seit dem Start als gebundene Ganztagsschule im Jahr 2004 viel erreicht.
Sehen Sie in der Ganztagsschule ein zukunftsweisendes Modell?
Ganztagsschulen sind unsere Zukunft! Allerdings müssen sie so gestaltet sein, dass flexibel auf die Bedürfnisse der Schüler und Eltern reagiert werden kann. Am Ende eines jeden Schuljahrs sollte in Umfragen ermittelt werden, wie es um Angebot und Nachfrage, aber auch um die Zufriedenheit und die Wünsche auf beiden Seiten bestellt ist. Nur so kann sich ein erfolgreiches Miteinander von Ganztags- und Regelschule entwickeln.
Dank des Investitionsprogramms "Zukunft Bildung und Betreuung" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung hat sich auch im Landkreis Günzburg in den letzten sieben Jahren das Angebot an Ganztagsklassen und Ganztagsschulen stetig erhöht. Die Maria-Theresia-Mittelschule in Günzburg bietet mittlerweile vier von siebzehn Klassen als gebundene Ganztagsklassen an.
Weiterführende Informationen
- Informationen des BMBF zum Thema Ganztagsschulen
- Ganztagsschulen in Bayern
- Maria-Theresia-Mittelschule, Günzburg
- Informationen der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung gemeinnützige GmbH zum Thema Ganztagsschulen
- Bildungsbericht 2010 zum Thema Ganztagsschulen (PDF 0,5 MB)
- Forschungsbericht "Ganztagsschule und dörflicher Sozialraum" des Verbundvorhabens "Ganztagsschule in ländlichen Räumen (GaLäR)" (PDF 1,2 MB)
- Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen (StEG) des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung
- Infografik: Geförderte Ganztagsschulen in Deutschland (PDF, 1.1 MB)




