"Ich habe noch die Kurve gekriegt"


Jungen Menschen mit Kindern gelingt dank Teilzeitberufsausbildung der Start ins Berufsleben

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"Ich habe noch die Kurve gekriegt"

Jungen Menschen mit Kindern gelingt dank Teilzeitberufsausbildung der Start ins Berufsleben

Lehrling mit Kind? Aber klar doch. Mit einer Teilzeitausbildung ist es möglich, dass junge Eltern ihren Berufsabschluss machen. Dabei kann die tägliche oder wöchentliche betriebliche Ausbildungszeit gekürzt werden. Eine solche Kürzung führt grundsätzlich nicht zu einer Verlängerung der Gesamtausbildungsdauer. Wenn erforderlich, kann aber im Einzelfall die Ausbildungsdauer verlängert werden. Durch das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte JOBSTARTER-Programm konnten bislang mehr als 255 Teilzeitausbildungsplätze akquiriert werden. Die 25-Jährige Diana Wloka aus Hagen, Mutter eines zweieinhalbjährigen Sohnes, hat einen davon bekommen. Sie wurde dabei von der "Beratungsstelle Teilzeitausbildung" in Nordrhein-Westfalen unterstützt.

Foto: Diana Wloka mit ihrem Sohn

Diana Wloka mit ihrem Sohn

Nach dem Hauptschulabschluss sind Sie lange Jahre ohne Ausbildung und damit ohne Perspektive geblieben. Was hat Sie nun motiviert, mit 25 Jahren noch einen Berufsabschluss zu machen?

Rückblickend muss ich sagen, dass ich damals nach der zehnten Klasse noch unreif war. Ich bin früh aus dem Elternhaus ausgezogen, habe in der Textilbranche und der Gastronomie gearbeitet und mein eigenes Geld verdient. Doch ich habe nur für den Moment gelebt und nicht weiter gedacht. Als ich mit 22 Jahren schwanger wurde und unser Kind kam, blieb ich ganz zu Hause. Dann lief viel schief: Mein Mann hat seine Arbeitsstelle verloren und im alten Beruf keine mehr gefunden, deshalb musste er eine neue Ausbildung beginnen. Wir haben dann schnell beschlossen, wir gehen das jetzt gemeinsam an.

Ein Kind und eine Ausbildung gleichzeitig unter einen Hut zu bekommen, ist für viele junge Eltern ein Dilemma. Wie sind Sie auf die Chance einer Teilzeitausbildung gestoßen?

Die Agentur für Arbeit hat mich überhaupt erst auf die Möglichkeit der Teilzeitausbildung aufmerksam gemacht. Ich dachte sofort, für mich als junge Mutter ist das optimal. Dann bin ich zur "Beratungsstelle Teilzeitausbildung" bei mir in Hagen gegangen. Ich bin immer noch ganz baff, wie toll die Beraterin mir mit vielen nützlichen Informationen von Anfang an unter die Arme gegriffen hat.

Wie hat die "Beratungsstelle Teilzeitausbildung" Sie auf Ihrem Weg zu einem Ausbildungsplatz unterstützt?

Meine Beraterin Carola Bettermann hat mit mir nach einem langen Gespräch über meine Interessen, meine Vorstellungen, Stärken und Schwächen ein Profil erstellt. Es zeigte sich, dass Bürokauffrau ein geeigneter Beruf für mich wäre. Sie hat mich dann auf den neuesten Stand bei Bewerbungsunterlagen gebracht und mir auch erklärt, wie man sich bei Bewerbungsgesprächen verhält. Seit August 2010 bin ich nun als Bürokauffrau in Ausbildung. Als ich mich bei BEU:com, einem Betrieb für Telekommunikation, um eine Lehrstelle beworben hatte, hat sie über die Gestaltung der Ausbildung in Teilzeit auch mit meinem jetzigen Chef Gespräche geführt und ist bis heute mit ihm in Kontakt.

Und wie haben Sie die Betreuung ihres zweijährigen Kindes während der Ausbildung organisiert?

Mein Mann und ich hatten so schnell gar keinen Kita-Platz bekommen, da hat mir dann auch die Beratungsstelle in Hagen geholfen. Wir haben bald eine Tagesmutter gefunden, die gut zu uns passt. Sie betreut den Kleinen, solange ich in der Berufsschule oder im Betrieb bin. Er kann bei ihr bleiben, bis er in den Kindergarten kommt. Ausbildung und Kind – das erfordert viel Engagement, Disziplin und Organisationsvermögen, aber es klappt gut und ist eine prima Sache.

Wie funktioniert die Teilzeitausbildung?

Das Modell sieht bei mir so aus, dass ich nicht wie andere Azubis die volle Wochenstundenzahl im Betrieb habe und entsprechend weniger Geld bekomme ich auch. Ich habe 28 bis höchstens 30 Wochenstunden laut Vertrag. In der Berufsschule bin ich die volle Stundenzahl anwesend. Von meinem Chef habe ich ein flexibles Zeitkonto zur Verfügung erhalten. Ich bekomme jedoch alles, was in der Ausbildung Bürokauffrau gelernt werden soll, mit auf den Weg. Darauf legt mein Chef großen Wert – nur eben in kürzerer Zeit. Insgesamt dauert die Ausbildung drei Jahre, genauso lang wie bei allen Bürokauffrau-Azubis, aber ich kann eben nachmittags für meinen Sohn da sein. Abends lernen mein Mann, der auch im ersten Ausbildungsjahr ist, und ich beide für die Berufsschule.

Mussten Sie ihren Chef erst überzeugen, dass Ihre Teilzeitausbildung keine halbe Sache ist?

Mein Chef bei BEU:com hatte anfangs viele Fragen, natürlich wollte er auch wissen, wie ich die Kinderbetreuung regle. Er hat aber schnell gemerkt, dass ich das mit der Ausbildung sehr, sehr ernst meine. Ich habe dann auch schnell eine Zusage für den Teilzeitausbildungsplatz bekommen.

Was unterscheidet Sie als junge Mutter von anderen Azubis, die direkt von der Schule kommen?

Mit 25 Jahren noch eine Lehre anzufangen und zudem Verantwortung für ein Kind zu haben, das ist eine riesige Aufgabe und vor allem eine Chance, die muss ich nutzen. Durch mein Kind ist mir erst klar geworden, dass ich etwas für die Zukunft meiner Familie tun muss. Das hat meine Einstellung komplett verändert. Mein Wille ist eisenhart, diese Ausbildung 2013 auch abzuschließen. Und wenn die Arbeitgeber später einmal meinen Lebenslauf lesen, werden sie sehen, dass ich die Kurve noch gekriegt habe, weil ich es unbedingt wollte. Die Teilzeitausbildung ist eine wunderbare Sache und ich kann jeder jungen Mutter mit Kind nur ans Herz legen, diese Chance zu nutzen.

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