Mädchen erobern Männerwelten
Der Girls'Day eröffnet mehr als einer Million Mädchen neue Berufsperspektiven
Fräsen statt frisieren – der Girls'Day hat das Image technischer Berufe bei Mädchen verbessert: 46,2 Prozent der Schülerinnen, die 2010 am Girls'Day teilnahmen, bewerteten technische Berufe als abwechslungsreich, 2004 waren es 32,7 Prozent. Die Bambergerin Cornelia Kahlert hat durch die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Berufsorientierungsinitiative ihren Traumjob gefunden.
Cornelia Kahlert ist Azubi bei Bosch. Foto: Alexander Quaet-Faslem
Es war kein Schultag wie jeder andere. Die Achtklässlerin Cornelia Kahlert stand in der Werkstatt der Firma Bosch in Bamberg. Sie lötete zum ersten Mal eine Platine und montierte ein LED-Licht, das mindestens so stark leuchtete wie ihr Gesicht. "Es hat richtig Spaß gemacht", erinnert sich die heute 17-Jährige Bambergerin an den Girls'Day vor vier Jahren. Seit 2001 öffnen im Rahmen der größten Berufsorientierungsinitiative für einen Tag im April überall im Land technische Betriebe und naturwissenschaftliche Hochschulen ihre Türen für Mädchen ab der fünften Klasse, damit sie früh technische Berufe kennenlernen und diese bei der Jobwahl später nicht von vornherein ausschließen. Für Cornelia Kahlert wurde der Girls'Day zum Schlüsselerlebnis. Sie hat sich nach ihrem Schulabschluss gegen den Beruf der Altenpflegerin entschieden und für eine Ausbildung zur Industriemechanikerin bei Bosch. Inzwischen ist sie im zweiten Lehrjahr. "Ich würde es immer wieder machen", beteuert sie und wirft mit einer Handbewegung ihre langen braunen Haare hinter die Schultern.
"Viele Mädchen lernen über den Girls'Day ihren Traumberuf kennen", sagt Elisabeth Schöppner, die am Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit in Bielefeld die Projektleitung für den Girls'Day verantwortet. Mehr als eine Million Mädchen haben in den vergangenen zehn Jahren die Berufsorientierungsinitiative genutzt. Eine Befragung des Kompetenzzentrums ergab, dass sich das Image technischer und naturwissenschaftlicher Berufe bei den Teilnehmerinnen verbessert hat. Doch trotz des positiven Trends entscheiden sich noch zu wenige Mädchen für eine Ausbildung oder ein Studium in diesem Bereich, stattdessen eher für soziale Berufe. Sie verdienen dort weniger und haben weniger Aufstiegschancen.
"Mädchen übernehmen schneller eine führende Rolle"
Anders bei Bosch in Bamberg: Von den 270 Azubis sind 30 Prozent Mädchen. Cornelias Ausbilderin ist eine Frau. Die Männerbastion ist hier längst gestürmt. "Wir liefern an den Maschinen dieselbe Leistung wie die Jungs", sagt Cornelia Kahlert stolz. Ihre Hände mit den trendig grau lackierten Fingernägeln sind beim Erzählen ständig in Bewegung. Das Arbeiten an Maschinen habe ihr früh Selbstbewusstsein gegeben, erklärt sie. Ihr Chef, Ausbildungsleiter Franz Hubert, kommt zu dem Gespräch hinzu. "Mädchen sind konsequenter dabei, ihre Wissenslücken aufzufüllen als Jungs, sie sind reifer und übernehmen schneller eine führende Rolle in der Gruppe", schildert er seine Erfahrungen mit jungen Frauen in traditionellen Männerberufen.




