Wie Europa sich bilden kann


EU-Bildungsprogramm Grundtvig fördert europaweite Lernerfahrungen

Wie Europa sich bilden kann: EU-Bildungsprogramm Grundtvig fördert europaweite Lernerfahrungen

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Wie Europa sich bilden kann

EU-Bildungsprogramm Grundtvig fördert europaweite Lernerfahrungen

Miteinander und voneinander lernen, dabei Brücken schlagen in Europa - das ermöglicht Grundtvig. Das facettenreiche europaweite Programm für Erwachsenenbildung der Europäischen Kommission haben eine halbe Million Menschen in den vergangenen zehn Jahren schätzen gelernt. In Lernpartnerschaften wie BICOM oder multilateralen Projekten wie TRICC schulen sie ihre sprachlichen und kulturellen Kompetenzen.

Alltag in einem deutschen Krankenhaus: Ein Patient aus Spanien mit akuten Schmerzen. Der Arzt versteht ihn nicht und er den Arzt nicht. Eine Behandlung ist unmöglich. Die Krankenschwester einer anderen Station, die spanisch kann, wird spontan zum Dolmetschen beordert. Sie trägt nun die Verantwortung, Arzt und Patient durch die Diagnose und zwei Sprachen zu lotsen. Weil die Gesundheitsversorgung von Menschen, die die Landessprache nicht ausreichend verstehen, ein Risiko für Ärzte und Patienten bedeutet, hat die preisgekrönte Lernpartnerschaft BICOM zusammen mit Bildungsträgern in Großbritannien, Italien sowie den Niederlanden Materialien für mehrsprachige Menschen entwickelt, die am Arbeitsplatz immer öfter als Ad-hoc-Dolmetscher eingesetzt werden. BICOM ist eines von vielen Projekten des Grundtvig-Programms der EU für Lehrende und Lernende in der Erwachsenenbildung.

Europa muss von unten zusammenwachsen

"Es ist eine unglaubliche Bereichung für die tägliche Arbeit, mit Menschen aus anderen Ländern Europas zusammenzuarbeiten", sagt Michael Marquart. Er koordiniert die Lernpartnerschaften bei der Nationalen Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung, die Grundtvig in Deutschland betreut und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanziert wird. Die Europäische Kommission hat das Grundtvig-Programm seit dem Jahr 2000 mit 350 Millionen Euro gefördert. Eine halbe Million Menschen in ganz Europa konnten bisher ihre interkulturellen, sprachlichen und persönlichen Kompetenzen entwickeln und so dazu beitragen, dass Europa sich weiterbildet. Bei den Lernpartnerschaften kooperieren Einrichtungen aus mindestens drei europäischen Ländern für zwei Jahre bei der Erwachsenenbildung zu Zukunftsthemen wie Integration, alternde Gesellschaft, Staatsbürgerschaft, interkultureller Dialog oder Mehrsprachigkeit.

Die spanisch sprechende Krankenschwester aus Hamburg hat dank einer Fortbildung bei TRICC, dem Hamburger Folgeprojekt von BICOM, in Rollenspielen Methoden des Ad-hoc-Dolmetschens trainiert und gelernt, ihre sprachlichen Kompetenzen zu nutzen. "Europa muss von unten zusammenwachsen", erklärt Meike Bergmann, Projektleiterin von TRICC, weshalb das EU-Programm Grundtvig so wichtig ist. Vor allem kleinen Anbietern der Erwachsenenbildung, die keine oder wenig Erfahrung mit europäischer Zusammenarbeit haben, steht Grundtvig mit seinen vielfältigen Aktionen offen, betont Michael Marquart: "Unsere Lernpartnerschaften bewirken, dass sie leichter den Weg nach Europa finden."

Wer war Grundtvig?

Der dänische Pastor und Schriftsteller Nicolai Frederik Severin Grundtvig (1783-1872) gilt als Begründer der skandinavischen Tradition des lebenslangen Lernens. Sein Konzept der Volkshochschule basiert auf dem Gedanken, dass Bildung den Menschen ihr ganzes Leben hindurch zur Verfügung stehen muss und sie nicht nur als Staatsbürger, sondern auch persönlich und kulturell weiterbringen soll. Der Geist von Grundtvig wird auch im Konzept der Lernpartnerschaften deutlich, bei denen der Schwerpunkt auf zwischenmenschlichen Beziehungen und persönlichen Kontakten liegt.

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